Verfasst von: Gerhard Piezinger | 14. Dezember 2013

Hey teacher leave them kids alone

Im zweiten Jahr mit dem gleichen Englischlehrer wird der Unterricht – nun ja, vielleicht nicht langweilig, aber möglicherweise etwas weniger spannend als am Anfang. Man kennt langsam die Anforderungen und Schwerpunkte, auf die Herr Piezinger Wert legt, seinen Stundenablauf, wahrscheinlich auch seine Macken und Schwächen. Höchste Zeit also, neuen Schwung in unsere iPad-Klasse zu bringen.
Kombiniert mit weiteren Faktoren – die altersbedingt inzwischen doch deutlich spürbare Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, die Fähigkeit, sich auch spontan und weitaus flexibler in der Fremdsprache ausdrücken zu können, sowie die Tatsache, dass der Sprechanteil der Schüler im normalen Unterricht immer noch äußerst niedrig ist – lässt diese Beobachtung eigentlich nur einen Schluss zu: Wir stellen auf LdL um.
Konkret schaut das Modell so aus, dass jeweils zwei Schüler für eine oder zwei Stunden die Lehrerrolle übernehmen. Sie haben einen Lektionsabschnitt übernommen und leiten den Unterricht im Prinzip so, wie sie es seit Jahren bereits kennen: Einführung neuer Vokabeln, Strukturierung neuer Texte (mit Kontrollfragen o.Ä.), Einführung neuer Grammatik, Anleitung von Übungen, Hausaufgabenstellung und -kontrolle. Bei der Planung der Stunden, die im Wesentlichen im Unterricht und nicht zu Hause als zusätzliche Hausaufgabe erfolgte, hatten die Schüler übrigens freie Hand – nur Deutsch ist tabu, das ist die einzige nicht zur Diskussion stehende Vorgabe von mir. Hier die fünf „golden rules“:

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Wie erwartet ergänzen sich LdL und unser iPad-Konzept auf perfekte Weise. Bereits in der Planungsphase laden die Schüler ihr Stundenkonzept in die Moodle-Aktivität „Aufgabe“ hoch, ich korrigiere die Materialien, wobei dank Moodles Gruppenfunktion beide „Lehrer“ meine Anmerkung zu sehen bekommen, ich stelle Zusatzmaterial wie etwa die Dateien von Hörverstehensaufgaben zur Verfügung, und die Lehrer der folgenden Stunden sind im Kalender festgelegt. All dies kostete in vordigitalen Klassen enorm viel Zeit, der Gewinn an Effizienz ist gewaltig.

Die ersten beiden Stunden sind inzwischen gelaufen – der Lehrer sitzt hinten in der letzten Bank, marschiert ab und zu durch die Reihen, um den Schülern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, aber das Regiment haben die Schüler übernommen. Der Schülersprechanteil im Englischen inzwischen bei über 95%. Ich freue mich auf die nächsten Stunden!ldl2 ldl1

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 16. November 2013

Digitale Schulbücher reloaded

Eineinhalb Jahre nach der Vorstellung der Initiative digitale-schulbuecher.de der deutschen Schulbuchverlage kommt jetzt langsam Schwung rein. Zunächst konnten die Lehrbücher nur auf Desktopsystemen angezeigt werden, seit Anfang des Schuljahrs gibt es jetzt endlich die lang erwartete App für Android und iOS.

Das Beste vorneweg: Im Augenblick sind die digitalen Ausgaben der Schulbücher noch für jedermann kostenlos verfügbar! In einer ersten Erprobungsphase wollen die Verlage offenbar die Akzeptanz ihrer Werke testen und zählen auf das Kundenfeedback, bevor sie damit ernsthaft Geld verdienen werden. Ich habe mir die aktuelle App natürlich angeschaut, hier ein paar Bildschirmfotos aus Green Line New 6 Bayern (10. Klasse):

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So gut die Idee natürlich ist, endlich auf dem Markt der digitalen Schulbücher Fuß zu fassen, so enttäuschend ist auch der erste Wurf.

Im Einzelnen:

• Zumindest für Bayern stehen die Lehrwerke in Englisch und Französisch erst ab Klasse 10 zur Verfügung. Für uns ist das Angebot also aktuell uninteressant.

• Beim jedem Start der App muss der Schüler sein Kennwort für diesen Dienst erneut eingeben. Das ist lästig und ärgerlich – Apps wie Musik, Mail oder Facebook verlangen trotz der geschützten/gekauften Inhalte ja auch nicht jedes mal die Eingabe eines Passwortes.

• Die Bildschirmdarstellung der Schriften ist unscharf. Offenbar basiert das verwendete Format nicht auf dem vektorbasierten PDF, das eine auflösungsunabhängige Darstellung ermöglichen würde.

• Die digitalen Schulbücher bieten keinerlei Mehrwert gegenüber ihrem Papier-Pendant: Keine interaktiven Tests am Ende einer Lektion, keine Abfragemöglichkeit von neuer Grammatik bzw. Wortschatz, keine multimedialen Elemente wie Audioversionen der Lektionstexte oder Videos, keine Weblinks – wirklich gar nichts, was dem Medium gerecht würde.

• Es gibt zwar eine Funktion, die handschriftliches Bearbeiten erlaubt, aber: Es gibt weder eine Möglichkeit, Stifteingaben zu widerrufen („Undo“), noch einen Radiergummi bzw. Tintenkiller. Die einzige Möglichkeit nach einem unbedachten Wischer ist es, alle handschriftlichen Anmerkungen auf der Seite zu löschen!

Spätestens bei dem letztem Punkt disqualifiziert sich die App vollständig für den praktischen Einsatz in einer digital ausgestatteten Klasse. Die App der Lehrbuchverlage kann weniger als ein normales, statisches PDF des Lehrbuchs in einer aktuellen Notizbuch-App und ist von den multimedialen Fähigkeiten von iBooks, wie Apple sie bereits Anfang 2012 skizzierte, noch Lichtjahre entfernt. Es heißt also weiter: Abwarten, wie sich das noch entwickelt. Schade.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 29. Oktober 2013

Teilen mit iCloud

Seit dem Erscheinen des ersten iPhones 2007 ist die Verzahnung der Smartphones mit Desktopsystemen die wohl größte Herausforderung für die Computerindustrie geworden. Bis dahin hatten die meisten Nutzer nur einen Hauptrechner und möglicherweise zusätzlich ein Notebook für den mobilen Einsatz, das dann kompliziert – oft noch auf Dateiebene mit USB-Sticks – manuell synchronisiert werden wollte. Mit MP3-Player, iPhone und Tablets entstand natürlich der Wunsch, diese Geräte automatisch synchron zu halten. Die Explosion der Cloud-Dienste, allen voran Dropbox, war die logische Folge. Aber schon bald reichten bloße Dateien nicht mehr, man wollte zunehmend auch auf dem Handy erfasste Termine, Adressen und Telefonnummern sowie unterwegs mit der Handykamera geschossene Fotos oder unterwegs gekaufte Musik automatisch und bequem auf allen Geräten zur Verfügung haben.

Zusätzlicher Druck entstand durch die zunehmende Vielfalt an Betriebssystemen: In Zeiten der Windows-Monokultur in der Computerwelt waren DOC, XLS und PPT die dominierenden Dateiformate, die sich allerdings als zunehmend unbrauchbar für die neue digitale Welt erwiesen – iPods, Android und iPads können diese zwar lesen, zur Weiterverarbeitung wurden diese proprietären Standards zunehmend ungeeignet. Und auch auf dem PC bzw. Laptop entdeckten immer mehr die Vorteile des quelloffenen Open-Office-Paketes, das sich wiederum überhaupt nicht mit den Mobilgeräten vertrug.

Google erkannte dies – wie so häufig – als erster und bot bereits ab Ende 2006 Google Drive (zunächst unter dem Namen Text und Tabellen, dann Google Docs) an. Plötzlich waren Dateiformate von gestern, man konnte über das Internet jetzt Texte beliebig teilen und gemeinsam an Texten und Tabellen arbeiten.

In diese Fußstapfen tritt jetzt Apple: Seit letzter Woche lassen sich Texte, Tabellen und Präsentationen über das Internet teilen und … bearbeiten! Die Besonderheit dabei ist, dass jeder, der den Link auf das Dokument besitzt, die Dateien nicht nur herunterladen und auf seinem eigenen Gerät weiterverarbeiten kann, sondern dies auch im Browserfenster möglich ist – völlig unabhängig von Gerät oder Betriebssystem. Apple bildet dazu auf der Webseite das Interface ihrer Textverarbeitung Pages, der Tabellenkalkulation Numbers und des Präsentationsprogramms Keynote äußerst detailgenau nach (zum Vergrößern klicken):BildDa war es dann letzte Woche mit der Einführung dieses Dienstes, bislang noch als Beta-Version gekennzeichnet, nur noch logisch, dass auch die Mac-OS-Anwendungen selbst zum Zweck der Angleichung an die in einem Webbrowser (und auf Mobilgeräten) verfügbaren Möglichkeiten 1. abgespeckt, 2. in der Benutzeroberfläche angepasst und 3. ab sofort kostenlos für Neugeräte (oder Besitzer der Vorversion) verfügbar gemacht wurden.

Langsam wird der Weg klar, den Apple offenbar bei der Integration von Mobilsystemen und Desktopsystemen beschreitet: Die iCloud ist das zentrale Bindeglied beider Welten, und beide werden behutsam in diese Richtung angepasst. Für uns Normalnutzer ist die Perspektive einer gewissen Offenheit, garantiert durch die Bearbeitbarkeit in jedem beliebigen Webbrowser auf jedem beliebigen Gerät, natürlich sehr vielversprechend.

Microsoft scheint mit sich mit Windows 8(.1) in eine grundsätzlich andere Richtung zu bewegen, für sie ist ein einheitliches Betriebssystem auf Handys, Tablets, Laptops und PCs das oberste Entwicklungsziel. Ein Konzept, das allerdings durch seine Fokussierung auf Dateien und Dateiformate den Rest des Marktes ausschließt und auch kommerziell bislang die hoch gesteckten Erwartungen kaum erfüllt.

Auch Ubuntu scheint sich mit der Entwicklung eines geräteübergreifenden Systems, trotz der verlockenden Ansätze, völlig zu überheben. Von Googles Chromebook habe ich schon länger nichts mehr gehört, es wird trotz Googles Innovationskraft und seiner Marktstellung vermutlich ein Nischenprodukt bleiben.

Was bedeutet diese Entwicklung jetzt für unsere Arbeit in der iPad-Klasse? Kollaborative Texterstellung haben wir bisher mit Moodle (Glossare, Wikis) und externen Tools wie Etherpad erledigt. Gemeinsame, editierbare Tabellen sind vielleicht für die Kollegen der Naturwissenschaften interessant – da muss ich mal nachfragen. Das gemeinsame Erarbeiten von Präsentationen scheint mir wirklich eine große Chance zu sein – demnächst mehr auf diesem Blog!

Nachtrag vom 30.10.2013:

Hier der Link zum Dokument für alle, die es selber mal ausprobieren wollen.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 27. Oktober 2013

Eine ganze Stunde

Eine Schulstunde dauert 45 Minuten. Bisher wurden in diesem Blog aber nur Einzelsequenzen beschrieben, nie der komplette Ablauf einer richtigen iPad-Schulstunde – das wird jetzt nachgeholt!

Die beschriebene Englischstunde fand Mitte Oktober in der beschriebenen Form statt. Anlass war der Besuch eines Teams der externen Evaluation, die unsere Schule derzeit genauer unter die Lupe nimmt und uns bei der Optimierung unseres Unterrichts durch den Blick von außen unterstützt. Eine Besonderheit war, dass nur die Hälfte unserer Schüler anwesend waren, also nur acht – die andere Hälfte war auf Besinnungstage.

In der Stunde stand die Einführung eines neuen Textes an, eines recht schwierigen noch dazu. Als wesentlich bei einer Neudurchnahme hat sich erwiesen, dass die neuen Vokabeln bereits vorher sitzen, damit man sich auf den Inhalt konzentrieren kann. Deshalb hatten die Schüler als Hausaufgabe auf, die neuen Vokabeln des Lektionstextes zu lernen. Da alle neuen Wörter auf einmal zu viel gewesen wären, hatte ich mich dazu entschlossen, den Schülern die einfacheren und/oder bereits bekannten Wörter in einem eigenen Kartenstapel auf Quizlet.com bereitzustellen. Diese wurden also in der Vorstunde bereits heruntergeladen und konnten nun auf die Stunde gelernt werden; die anspruchsvolleren Wörter würde ich dann in der Stunde einführen.

Es konnte also losgehen!

Abfrage der Vokabeln

Zunächst habe ich die neuen, zu lernenden Wörter abgefragt. Dazu schien mir ein spielerischer Ansatz sinnvoll: Ich spiegelte meine Vokabel-App auf den Beamer und fragte alle Schüler reihum nach der englischen Entsprechung des jew. deutschen Wortes. Wusste ein Schüler das Wort nicht, musste er jetzt zwei weitere Wörter fehlerfrei wissen, damit es weiterging.

Besprechung der Hausaufgabe

Die Besprechung der Hausaufgabe erfolgte dann im Unterrichtsgespräch, gestützt durch die Projektion der Schülerergebnisse auf dem Beamer via AirPlay. Aus der Vorstunde, in der es um Sprachmittlung ging, hatte sich eine Hausaufgabe zu Anglizismen (aus dem Lehrbuch) ergeben. Die Schüler sollten sich zu Begriffen wie Livesendung, Discounter, Hardware, Mainstream und  anderen überlegen, ob es dazu deutsche Alternativen gibt und ob diese praktikabel sind. Dies wurde natürlich, wie immer bei Hausaufgaben, in handschriftlicher Form eingefordert. Den Abschluss der Hausaufgabenbesprechung bildete eine kleine Umfrage, die wiederum einen Gesprächsanlass zu Sinn und Unsinn von Anglizismen im Deutschen lieferte:umfrage

 Einführung eines neuen Textes

Dann der eigentliche Beginn der Neudurchnahme des Lehrbuchtextes. Es geht darin um die Ausbeutung billiger Arbeitskräfte in Dritte-Welt-Ländern durch die Sportbekleidungsindustrie. Da die Schüler zu dem recht komplexen Thema Globalisierung zudem in der Fremdsprache vermutlich (?) nicht viel beitragen würden, ging es gleich an die Vokabelerarbeitung – diesmal bei geschlossenen Geräten. Dazu projizierte ich, wie bereits früher beschrieben, eine Zuordnungsübung auf den Beamer:

new words

Im Unterschied zum individualisierten Erarbeiten mussten die Schüler mir diesmal reihum Wortpaare nennen und – ganz wichtig! – begründen, warum sie glaubten, dass genau diese beiden Wörter zusammengehören. Die richtigen Paare habe ich dann auf dem Projektor stehen lassen, um das Verständnis des sehr langen und schwierigen Textes zu erleichtern.

Nach dem gemeinsamen Lesen der ersten beiden Abschnitte und kleineren Fragen zur Verständnissicherung mussten die Schüler dann in Zweiergruppen die Textstruktur, wieder mit einer Learningapp, nachbilden. Jetzt war es ihre Aufgabe, die Kurzzusammenfassungen der folgenden Absätze mithilfe einer „Pinnwand” in die richtige Reihenfolge zu bringen:

pinnwandAufgrund der Schwierigkeit des Textes dauerte die Erschließung der Absätze in Partnerarbeit etwa eine Viertelstunde, die Stunde neigte sich inzwischen dem Ende zu. Als Hausaufgabe auf die Folgestunde mussten die Schüler nun den Abschnitten die Zeilennummern im Lehrbuchtext zuordnen sowie die neuen, in der Stunde erarbeiteten Vokabeln individuell in den bereits bestehenden „Rumpf-Kartenstapel“ nachtragen und lernen. Mein Plan für die Folgestunde war es, die verbliebenen Absätze nach gleichem Muster in kurzen Sätzen zusammenfassen zu lassen.

Ich glaube, an diesem Beispiel werden die grundsätzlichen Fragestellungen bei der Unterrichtsplanung in einer iPad-Klasse recht deutlich: Ausgehend vom Stundenziel (hier: „Der neue, sehr schwierige Text soll verstanden und strukturiert werden”) liegt es nun am Lehrer, die Werkzeuge auszuwählen. Neben die traditionellen Entscheidungen über Arbeits- und Sozialformen (Tafel oder Folie? Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit?) treten nun beim Einsatz von iPads weitere Fragen:

  • Soll die Partner- oder Gruppenarbeit im realen Raum (Klassenzimmer) oder im digitalen (Lernplattform) erfolgen?
  • Können die Schüler individuell arbeiten und ihr Ergebnis im Anschluss den anderen vorstellen?
  • Welches Arbeitsmaterial (Arbeitsblätter, interaktive Übungen) setze ich wann am sinnvollsten ein?
  • Ist eine Aufgabe so gestellt, dass die anderen von einer Lösungspräsentation am Beamer profitieren?
  • Soll ein Schüler die Aufgabe ohne Vorbereitung den anderen vorführen („laut denken”)?
  • Soll die Erarbeitung im Klassenzimmer oder zu Hause erfolgen?
  • Wann ist die Vorgabe der Arbeitsweise (mündlich, handschriftlich, kollaborativ, kreativ …) überhaupt nötig bzw. sinnvoll?
  • Wie bringe ich die analoge Welt (hier: Text im Buch) mit der digitalen in Verbindung?
  • Wie schöpfe ich den Mehrwert an Übungs- und Wiederholungsmaterial optimal aus?
  • Wie stellt man sicher, dass wirklich jeder arbeitet – Stichworte digitales Kopieren bzw. Fremdbeschäftigung?

Diese Fragen umreißen den Kern der täglichen Arbeit in unserer iPad-Klasse. Dabei gehört eine Neudurchnahme eines Textes sicher zu den anspruchsvolleren Einsatzgebieten im Fremdsprachenunterricht. Vielleicht inspiriert oben beschriebenes Vorgehen ja die ein oder andere Lehrkraft, es selber mal auszuprobieren.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 23. September 2013

Bleiben Sie dran …

Auch im neuen Schuljahr geht unser Projekt weiter! Zwar unter leicht veränderten Rahmenbedingungen und mit weniger beteiligten Fächern (Nur noch Englisch, Deutsch und Chemie – Veränderungen, die leider außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten als Schule liegen), dafür aber mit hochmotivierten Lehrern, gut erholten, leistungswilligen Schülern und einem nagelneuen iOS! Erste Ideen, was wir anpacken wollen, haben wir schon: „Flipped classroom“, echte interaktive Leistungserhebungen, differenziertere Formen automatisierten Feedbacks … all das werden wir in den kommenden Wochen und Monaten ausprobieren und natürlich weiterhin hier dokumentieren!

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 29. Juli 2013

Umfragen ganz einfach

Die 8f hatte beim heutigen Projekttag an unserer Schule die Aufgabe, mit Hilfe ihrer iPads eine Umfrage zum Thema Ernährung, unserem Jahresthema, zu gestalten. Hierbei erwies sich das kostenlose Loop als perfekte Lösung: Die Schüler waren mit ihren iPads im Schulgebäude unterwegs und befragten über 280 Mitschüler und Kollegen. Die Software, welche die Daten übrigens auch ohne Internetverbindung erfassen lässt, sammelt dann sämtliche Ergebnisse und zeigt eine Auswertung (prozentual und in absoluten Zahlen) an, natürlich anonym.
Szenarien wie diese zeigen anschaulich, warum das iPad so perfekt ins schulische Umfeld passt wie kein anderes Digitalgerät: Es ist nicht viel schwerer als ein Notizblock inkl. Schreibblock, es ist mobil, ausdauernd und robust, unaufdringlicher als jede Art von Computer, und wird im Zusammenspiel mit so unkomplizierter und kostenloser Software wie in diesem Fall Loop zu einem äußerst effizienten Werkzeug. Ich wage mir kaum vorzustellen, was die Vorbereitung und die Auswertung von knapp 300 Papierzetteln an zeitlichem und organisatorischen Aufwand bedeutet hätte.
Soviel zum Thema „Tablets eignen sich nicht zum ernsthaften Arbeiten“ …
(Zum Vergrößern klicken)Bild
Verfasst von: Gerhard Piezinger | 7. Juli 2013

Noch Fragen?

In dem Bestreben, auf diesem Blog unsere Überlegungen und Erfahrungen bei unserer Arbeit mit unserer iPad-Klasse so umfassend wie möglich zu dokumentieren und vor allem zu veröffentlichen, hier ein Auszug aus einer E-Mail, in der ich ein paar Fragen einer Studentin beantwortet habe, die sich mit unserer iPad-Klasse im Rahmen ihrer Bachelorarbeit beschäftigt.

1. Welche Erfahrungen haben Sie mit dem 1:1 Ausstattungsmodel gemacht? Ist das Modell gegenüber Pad-Sharing für den Erfolg des Projektes entscheidend?

In meinen Augen ist die 1:1-Ausstattung zur sinnvollen Nutzung der Geräte unverzichtbar. Nur so können die Schüler darauf Hausaufgaben machen, in der Schule begonnene Arbeiten fertigstellen, sich auch zu Hause mit vllt. komplexerer Software auseinandersetzen und deren Benutzung erlernen oder vertiefen. Vieles lernt man eben doch durch rumprobieren, dafür ist in der Schule die Zeit zu knapp. Nicht zuletzt entfällt die umständliche und zeitraubende Sicherung von Arbeitsergebnissen am Stundenende.

2. Inwieweit erhalten Sie Hilfe und Material von Verlagen? Wo sehen Sie von deren Seite aus Handlungsbedarf?

Wir haben das Mathe- und Physikbuch zu einem annehmbaren Preis als PDF erwerben können. Das erlaubt eine Bearbeitung in Notability und das Kopieren von kleinen Ausschnitten zur Weiterverwendung z.B. in Arbeitsblättern. Das genügt und im Augenblick warten wir einfach die weitere Entwicklung ab.

3. Beansprucht der Unterricht mit Tablets mehr Zeit a) für die Unterrichtsvorbereitung, b) im Unterricht selbst?

Der Mehraufwand für die Unterrichtsvorbereitung ist unerheblich, wenn sie dafür mehr Spaß macht. Zudem spart man auf lange Sicht ja doch Zeit, wenn man alleine an die Stunden denkt, die man als Lehrer vor Fotokopierern steht.
Im Unterricht dauern manche Dinge länger, vor allem bei kooperativeren Arbeitsweisen, andere gehen dafür erheblich schneller und effizienter von der Hand. Alles in allem m.E. Gleichstand.

4. Sind bisher Schäden bei den Geräten aufgetreten (Soft- oder Hardware)?

Nein. Das würde unser Konzept tatsächlich ernsthaft in Frage stellen, aber bisher waren die Geräte aller Schüler abgesehen von gelegentlich leeren Akkus oder zu Hause vergessenen Geräten immer alle einsatzbereit.

5. Haben Sie Anhaltspunkte dafür, dass Lernen mit Tablets effektiver ist als mit analogen Medien? Wenn ja, an welche Voraussetzungen ist das geknüpft? (Vorbereitung, didaktisches Konzept, 1:1Modell)

Ob das Lernen selbst effektiver wird, ist nur schwer zu beurteilen. Ich bin mir hingegen ziemlich sicher, dass der Unterricht aktueller, abwechslungsreicher und ansprechender geworden ist.

6. Welchen tatsächlichen Mehrwert sehen Sie in den Tablets? In wie weit verändert es Lernen positiv? (spontaner, individueller, tiefergehender, kooperativer, effektiver, …) Hat sich auch etwas zum Negativen gewendet?

Ich glaube, wir setzen in unserer Klasse mehr auf selbstverantwortliches Lernen als im klassischen Unterricht. Wir sind mehr auf die Ideen und das Mitdenken der Schüler angewiesen. Motivierte und engagierte Schüler profitieren dabei möglicherweise überproportional, eher leistungsschwächere kommen wahrscheinlich weniger gut zurecht damit, wenn sie z.B. ihre Vokabel-App selbstständig auf dem Laufenden halten und mit ihr regelmäßig wiederholen sollen. Dieses Auseinanderdriften an Leistungen wird andererseits dadurch abgeschwächt, dass viele Online-Wiederholungsübungen ja beliebig oft durchlaufen werden können und sich auf das neutrale Feedback verlassen werden kann.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 30. Juni 2013

Learningapps.org

Lernen ist vor allem in Fremdsprachen sehr häufig einfach nur Habitualisierung, also Wiederholung. Wer „interested in“ ein paar dutzend Mal hört, liest oder gar schreibt, wird nicht mehr ins Grübeln kommen, ob es nicht doch vielleicht „interested at“, „of“, „by“ oder „for“ heißt. Diese Erkenntnis, so banal sie klingen mag, ist der Hauptgrund dafür, dass im Unterricht in den modernen Fremdsprachen so viel Wert darauf gelegt wird, möglichst ausschließlich in der Zielsprache zu kommunizieren.

In einer digitalen Lernumgebung findet sich dieses Prinzip in interaktiven Wiederholungsübungen wieder. Während im klassischen Papier-Kreide-Folienunterricht vor Prüfungen kopierte Arbeitsblätter ausgeteilt wurden (oder zur Einsparung von Kopien eine Folie benutzt wurde), stellen die sich selber korrigierenden Übungen einen großen Fortschritt dar. Früher war es wegen des zeitlichen Aufwands kaum möglich, jedes Arbeitsblatt auch einmal einzusammeln und zu korrigieren. Im schlimmsten Fall wurde das Arbeitsblatt einmal vollgeschrieben, abgeheftet und nie wieder angeschaut. Heute liefern digitale Wiederholungsübungen ein sehr präzises und lehrerunabhängiges Feedback über den tatsächlichen Leistungsstand, sie stehen rund um die Uhr auch auf Mobilgeräten zur Verfügung und können beliebig oft wiederholt werden.

Wir setzen in unserer iPad-Klasse von Anfang an auf Learningapps.org. Mithilfe dieses kostenlosen Angebots lassen sich kleine Übungen von den Lehrern – oder noch besser den Schülern selbst – schnell zusammenklicken und teilen. Zur Verfügung stehen verschiedene Aufgabenformate wie Lückentexte, Quiz, Kreuzworträtsel und Zuordnungsübungen, aber auch eher spielerische wie Hangman, Memory oder Millionenspiel.

Hier eine Collage aus den Übungen, welche die Augsburger Studenten für uns zur Vorbereitung der letzten Schulaufgabe in diesem Jahr entwickelt haben (zum Vergrößern klicken):

Learningapps.org

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 19. Juni 2013

Textbearbeitung am iPad

In Lehrbüchern wird nicht herum gemalt! Verständlich, schließlich sind die Lehrwerke nicht ganz billig und sollten mindestens ein halbes Dutzend Schuljahre herhalten. Dabei ist es bei einer intensiveren Auseinandersetzung mit Texten unerlässlich, diese mit Stiften zu bearbeiten: Anmerkungen, Gliederung in Sinnabschnitte, gezieltes farbliches Hervorheben von Informationen, Vokabelnotizen oder spontanes Festhalten von Ideen während des Lesens sind getrennt vom Text kaum praktikabel. Was mit ein Grund ist, warum in der Oberstufe die Anzahl der Kopien erfahrungsgemäß stark ansteigt.

In unserer iPad-Klasse liegt es nahe, einen Text einfach abzufotografieren und ins Notizbuch zu kopieren– schon kann nach Belieben damit gearbeitet werden. Sowohl Schreibstift wie auch Textmarker stehen in 15 Farben (plus weiß) sowie in fast beliebiger Strichstärke zur Verfügung. Hier ein Beispiel eines (verbesserten) Hefteintrags eines Schülers:

Textmarkierung

Gerade in dieser völlig natürlichen und unkomplizierten Art, wie sich analoge und digitale Inhalte kombinieren lassen, liegt unserer Erfahrung nach der große Mehrwert der Tablets im Unterricht. Je mehr die Technik in den Hintergrund tritt, desto mehr kann man sich auf die Inhalte konzentrieren. Dabei habe ich den Eindruck, wir nutzen im Augenblick erst einen Bruchteil der Möglichkeiten.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 5. Juni 2013

Evaluation

Die erste systematische Evaluation unserer Arbeit liegt uns jetzt vor. In einer anonymisierten Online-Befragung mussten unsere Schüler 43 Fragen zur schulischen Arbeit mit dem iPad allgemein und speziell im Englischunterricht beantworten. Auf den ersten Blick sind die Ergebnisse recht ermutigend, wir werden die Evaluation im Kollegium thematisieren und überlegen, wo wir Dinge verbessern können.Bild

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