Verfasst von: G. Piezinger | 13. Juli 2016

Portfolios mit Mahara

Portfolios im Unterricht sind eine eher neue Entwicklung. In Anlehnung an deren Bedeutung im Arbeitsleben wurde in den letzten Jahren immer wieder versucht, ihre Prinzipien in die schulische Arbeit zu integrieren: Es geht darum, seine Arbeits- bzw. Lernfortschritte zu dokumentieren und zu reflektieren. Herauskommen soll also eine präsentationsreife, personalisierte und illustrierte Übersicht der eigenen Arbeit, in unserem Fall im Fach Französisch.

Dass wir in unserer digitalen Arbeitsumgebung nicht mehr mit Drucker, Schere und Kleber loslegen, versteht sich von selbst. Die Kategorie „E-Portfolios“ unterscheidet sich in ihrer Zielsetzung nicht von den klassischen Arbeitsmappen, abgesehen vom Trägermedium und der zur Verfügung stehenden Multimedialität.

Natürlich gibt es genau dafür spezielle Software, in diesem Fall sogar unter Open-Source-Lizenz, was im Zweifel immer ein Pluspunkt ist: Die Weiterentwicklung ist unabhängig vom Überleben der Unternehmen und die Daten sind durch den einsehbaren Quellcode besser vor kommerzieller Ausbeutung geschützt.

Vom größten Schwachpunkt quelloffener Software, die oft weit hinter ihrer kommerziellen Konkurrenz hinterherhinkende intuitive Logik der Bedienung, ist zudem bei Mahara nichts zu merken. Nach nur kurzer Hinführung und einem klaren Arbeitsauftrag werkeln unsere Schüler bereits sehr selbstständig vor sich hin.

Die Gestaltungsmöglichkeiten unterscheiden sich ebenfalls grundlegend von einer üblichen Textverarbeitung: Die verschiebbaren Blöcke, die sich in über zwanzig definierbaren Grundlayouts anordnen lassen, enthalten entweder Text, Bilder, Dateien zum Download, PDFs, HTML, Videos, Inhalte sozialer Netzwerke und andere Medien oder sogar das eigene Blog. Das Ergebnis ist eine interaktive Webseite, die sich sowohl lokal speichern wie auch direkt im WWW veröffentlichen lässt.

Der konkrete Arbeitsauftrag war in unserem Falle, die durchaus mess- und spürbaren Lernfortschritte in diesem Schuljahr darzustellen. Natürlich bietet sich zunächst eine chronologische Struktur an, wobei die Eckpunkte die Lektionen im Buch und die Schulaufgaben darstellen. Hinzu kommt unsere Teilnahme am Wettbewerb Francomusiques.

Mahara

Den Gewinn dieser Phase am ansonsten in anderen Klassen vielleicht eher ereignisarmen und filmlastigen Schuljahresende sehe ich vor allem in der Rekapitulation des Jahresstoffs, die den Schülern möglicherweise gewisse Wissenslücken bewusst machen, und in der individuellen, dauerhaften Bereitstellung einer Übersicht des Gelernten und Geübten für die Folgejahre. Im Gegensatz zu den Papier- und Tafelklassen bleibt somit ein Ergebnis bei den Schülern, wenn am Jahresende die Bücher abgegeben werden und die Hefte im Altpapier landen. In vieler Hinsicht hat Mahara damit in unserer heterogenen Systemumgebung die Rolle der Apple-spezifischen iBooks übernommen.

Verfasst von: G. Piezinger | 21. Juni 2016

Formative Evaluation

Zu den eher unbefriedigenden Aspekten im Schülerleben gehören Stegreifaufgaben, zu denen uns wir bereits hier Gedanken gemacht haben. Die Ex ist und bleibt eine sehr punktuelle Leistungserhebung, und eine gute Note beweist vor allem, dass der Schüler am Vortag Zeit (/Lust) hatte, sich die Unterrichtsinhalte am Nachmittag (/morgens /vor der Stunde) noch einmal anzuschauen. Das Damoklesschwert Ex hat natürlich eine wichtige Disziplinierungsfunktion; über längerfristigen Lernerfolg sagt sie weit weniger aus.

In unserer digitalen Lernumgebung bewährt sich zunehmend das Konzept der Formativen Evaluation. In regelmäßigen Abständen werden angekündigte kleine Tests durchgeführt. Wenn dies in einer Papierumgebung wegen des Korrekturaufwands vermutlich die wenigsten Kollegen auf sich nehmen würden, sind formative Tests hier dank dem automatischen Feedback durch Bookwidgets (alternativ die Mebis-Aktivität „Test“) ein logischer Schritt.

Formative-Evaluation

Regelmäßige formative Vokabeltests: Beispiel Französisch

Als kleinen Leistungsanreiz bekommen nur drei oder vier zufällig ausgewählte Schüler eine Note, die anderen nur die Auswertung. Das in meinen Augen gerechteste Verfahren ist hierbei, die Namen der Schüler vor dem Test hinten an die Tafel zu schreiben (Vorsicht Spiegel!) und nach Abgabe aufzuklappen. Wobei die ganze Benotung aus Lehrersicht auch ein Kompromiss ist, aber Noten sind nun mal die einzig akzeptierte Währung (sprich Leistungsanreiz) für Schüler. Was sich vielleicht ja irgendwann mal ändert. Obwohl …

Verfasst von: G. Piezinger | 7. Februar 2016

Hefte abgeben bitte

Auch in einem digitalen Arbeitsumfeld verwandeln sich Mittelstufenschüler nicht auf Knopfdruck in selbstverantwortliche, leistungsorientierte und motivierte Höchstleister. Die Hausaufgaben werden gemacht, weil es der Lehrer sagt und weil die Nichterledigung Konsequenzen mit sich bringt. Sollte jemand der Mitlesenden ein Rezept kennen, wie man bei 8.- und 9.-Klässlern aus diesem Teufelskreis ausbrechen könnte – bitte mir unten in den Kommentaren mitteilen.

Jedenfalls gehört bis dahin der regelmäßige Blick in die Arbeitsunterlagen zum Kerngeschäft. Hefte einsammeln, aber als PDF, und in Notability korrigieren und zurückschicken.

Hier mal ein Blick auf meine digitalen, handschriftlichen Korrekturen der letzten drei Jahre.

Hefte

(Klicken zum Vergrößern)

Verfasst von: nilsboedeker | 1. Februar 2016

Bookwidgets

Die App Bookwidgets würde ich mittlerweile als Meilenstein der digitalen Arbeit in der Schule bezeichnen. Natürlich kann ich diese App primär im (Englisch)unterricht in der Tablet-Klasse einsetzen, aber auch im klassischen, nicht-digitalen Einsatz ist Bookwidgets bereichernd. Im US-amerikanischen Raum werden solche Dinge gerne als empowering tool bezeichnet, was keiner Übersetzung ins Deutsche bedarf, allein schon, weil es eine so zutreffende Formulierung ist. Empowering ist Bookwidgets deshalb, weil die App nicht nur den Schülern zahlreiche Vorteile bietet, sondern eben auch mir als Lehrer die Arbeit erleichtert. Denn von den Potentialen digitalen Unterrichtens sind (zum Glück) immer mehr Kollegen überzeugt, nur leider gibt es gerade im Bereich der tools noch einen erheblichen Nachholbedarf, was natürlich die Verbreitung digitaler Medien im Unterricht nicht gerade befördert.

Zwei Eigenschaften müssen Apps besitzen: Sie müssen einfach anzuwenden sein (für Schüler UND Lehrer) und einen echten Mehrwert im Unterricht bewirken. Natürlich geht das in gewissem Maße auch mit Mebis, daher verwenden wir Mebis ja auch als virtuelles Klassenzimmer, quasi als Basis unserer Arbeit. Natürlich kann ich mit Mebis auch Tests erstellen und es gibt mittlerweile auch eine ganze Reihe an nützlichen Anwendungen. Insgesamt ist Mebis aber leider vergleichsweise umständlich und das Design wird erst nach und nach besser. Aber gerade dieser Bereich wird in der Didaktik häufig unterschätzt, denn natürlich sind optisch ansprechende Lernmaterialien viel motivierender, hier liegt ja gerade ein Vorteil digitalen Arbeitens im Unterricht, dass wir eben – die entsprechenden tools vorausgesetzt – den optischen Gewohnheiten unserer Schüler sehr viel mehr entsprechen können – Gewohnheiten, die sich aus immer aufwendigeren und der Realität mehr entsprechenden Layouts und Design ergeben.

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Aber natürlich geht es nicht nur um die Optik. Mit Bookwidgets habe ich als Lehrer auch sehr viele verschiedene Anwendungsoptionen: Acht verschiedene Test- und Wiederholungsmöglichkeiten, darunter alleine im Bereich ‚Quiz‘ 16 unterschiedliche Testtypen, dann einige Spielvarianten, tools für die Arbeit mit Bildern bzw. Videos und speziell für den Matheunterricht, man kann Google Maps, Wikipedia etc. integrieren usw.

Wenn ich will, bekomme ich die Ergebnisse per E-Mail, dann ergänzt die App noch gute Übersichten über die Arbeiten der Schüler – und natürlich kann ich jedem Schüler ein dezidiertes Feedback zu seinen jeweiligen Ergebnissen geben.

Gelungene Beispiele wollen wir hier auch nach und nach zeigen, bis dahin arbeiten wir begeistert weiter …

Verfasst von: G. Piezinger | 26. Januar 2016

KYO – Chaque Seconde

Schon immer war fremdsprachliche Rock- und Popmusik eine gute Quelle für den Unterricht. Sie bietet authentisches Material jenseits dessen, was sich Verlagsautoren als Wirklichkeit im Zielland vorstellen. Sie liefert Sprechanlässe rund um oft jugendrelevante Themen. Und sie erwischt die Schüler doch auch häufig auf der Gefühlsebene. Auch die französische Musikwelt bietet immer wieder wunderbare Titel, die geradezu auf ihren Einsatz im Unterricht warten.

Jahrzehntelang war man im Fremdsprachenunterricht auf die Kombination CD-Player, Lückentext und bestenfalls noch Folie angewiesen. In unserer Tabletklasse geht da mehr:

Kyo(oben von links nach rechts)

1. Zum Einstieg erarbeiten sich die Schüler ein paar zentrale neue Wörter mithilfe einer Learningapps-Seite. Zuerst ganz individuell, dann auch mal einer auf dem Projektor.

2. Während des ersten Anhörens notieren die Schüler Wörter, die sie verstanden haben, in ein Etherpad. Dieses erlaubt das gleichzeitige Schreiben aller an einem Text. Nach ein bis zwei Durchgängen kann man auf dieser Basis über den möglichen Inhalt schon mal spekulieren. (Diesmal tatsächlich nicht Liebe!)

3. Dann kommt der klassische Lückentext zu seiner Ehre, hier als Bookwidget integriert. Als zusätzliche Hilfe steht den Schülern am Seitenende die Audiodatei zum individuellen Anhören (mit Kopfhörern) zur Verfügung. Ist eine Lücke richtig ausgefüllt, werden die Buchstaben unmittelbar in grün angezeigt. Diese sofortige Rückmeldung ist bei Aufgaben dieser Art besonders nützlich.

4. Als letzter Schritt kommt jetzt die genauere Auseinandersetzung mit dem Text. Da ein klassisches Übersetzen ins Deutsche für die Achtklässler sicher zu anspruchsvoll, zu langweilig, zu zeitraubend und in diesem Fall nicht sehr sinnvoll wäre, habe ich die einzelnen Verse (16 insgesamt) bereits übersetzt. Mit einem split worksheet aus Bookwidgets haben sie jetzt links den Originaltext und müssen die deutschen Verszeilen in die richtige Reihenfolge bringen. Dies war sicherlich der Augenblick mit den meisten Aha-Effekten à la „Ach so, jetzt versteh ich’s“.

Je nach verbleibender Zeit kann diese Einsicht in die Botschaft des Textes jetzt für persönliche Äußerungen, zu Rollenspielen oder anderen mündlichen Kommunikationsübungen benutzt werden.

Zentrale Schaltstelle der ganzen Stunde war wie immer unser Mebis-Raum, in dem alle Ressourcen verlinkt und eine nach der anderen im Stundenverlauf für die Schüler sichtbar gemacht wurden.

Wer jetzt nach all den Erklärungen selber mal reinhören möchte: Chaque Seconde bei Amazon.

Verfasst von: G. Piezinger | 18. Januar 2016

Mobiler Übersetzer

Wenn Schule auf die Zukunft vorbereiten soll und nicht auf die Vergangenheit – Was machen wir dann, wenn das hier bereits die Gegenwart ist?

(Kleiner Selbstversuch: Googles Übersetzungs-App vs. Aldi-Prospekt)

Verfasst von: moerwald | 25. Oktober 2015

GeoGebra in Mathe

Im Mathematik-Unterricht verwenden wir immer wieder mal die App GeoGebra, die auf allen Geräten (iPads, Windows- und Android-Tablets) unserer Schüler läuft. Verglichen mit der früher verwendeten App FreeGraCalc ist GeoGebra einfach viel leistungsfähiger. Einerseits ist sie umfangreicher und damit leider auch etwas komplizierter für Schüler in diesem Alter, andererseits eignet sie sich aber viel besser für die Anwendung im Unterricht.
Im Moment behandeln wir gerade das Thema Indirekte Proportionalität. Hier bieten sich als Beispiel flächengleiche Rechtecke an, dabei bleibt eben der Flächeninhalt konstant, während Länge und Breite verändert werden.
Die Schülerinnen und Schüler sollten nun verschiedene flächengleiche Rechtecke (ein Eckpunkt stets im Ursprung des Koordinatensystems) in GeoGebra zeichnen und schließlich den Zusammenhang zwischen Länge und Breite der Rechtecke analysieren. Das Ergebnis: Wird z.B. die Länge verdoppelt, so muss die Breite halbiert werden usw. Dabei veranschaulicht eine Zeichnung den Zusammenhang der beiden Größen bei indirekter Proportionalität sehr deutlich, und mit dem Tablet geht das noch viel schneller.
GeoGebra bietet sogar die Möglichkeit die Spur eines Punktes anzuzeigen, wenn man diesen verschiebt. Damit war es nun auch möglich die zugehörige Kurve zur indirekten Proportionalität zu ermitteln. Es entsteht ein Hyperbelast.
indirekte Proportionalität - flächengleiche Rechtecke
Selbstverständlich ersetzt das Zeichnen auf dem Tablet nicht das Zeichnen im Heft im Mathematik-Unterricht, allerdings können sich die Schüler damit oft (wie in diesem Beispiel) viel schneller ein Bild von der Problemstellung machen und sich damit auf das Wesentliche konzentrieren.

Verfasst von: G. Piezinger | 10. Oktober 2015

Die Cloud im Haus

Im Zuge des Übergangs von unserer homogenen iPad- zu einer herstelleroffenen Tablet-Klasse mussten wir auch beim Umgang mit Dateien neue Wege beschreiten. Sicher kann man mit einem Apple-Gerät ganz hervorragend arbeiten, ohne sich Gedanken um Dateisystem machen zu müssen. Spätestens bei der Arbeit mit unserer Lernplattform mebis muss man aber doch ran an die Files – beim Einsammeln von Schülerarbeiten zum anschließenden Feedback und evtl. Bewertung gibt es zum „Datei auswählen …“-Button keine Alternative.

Wie damals im entsprechenden Artikel beschrieben, verließen wir uns 2012 noch auf Apples „Öffnen in“-Systematik. Man reichte ein beliebiges Arbeitsergebnis an die Dropbox-App weiter, die es in seiner Cloud speicherte, erzeugte einen öffentlichen Link und kopierte diesen in das entsprechende Feld auf mebis (damals noch Moodle).

Auch aufgrund der sich in letzter Zeit verschärfenden Diskussion um Datenschutz sowie dementsprechenden Richtlinien vom Kultusministerium war es nun Ziel, auf Dropbox sowie andere kommerzielle Cloud-Dienste zu verzichten.

Unser äußerst rühriger Systembetreuer fand in diesem Sommer eine clevere Lösung für dieses Dilemma: Er installierte auf dem Server unserer Schule einen WebDAV-Server, der direkt auf den OSS (Open School Server) aufsetzt. Für uns ist das die perfekte Schul-Cloud – die Daten werden an der Schule selber gespeichert, HTTPS-Verschlüsselung inklusive, WebDAV integriert sich nahtlos in iOS-, Android- oder Windows-Geräte, und der Zugriff funktioniert ohne Umkonfiguration sowohl aus dem Schulnetzwerk als auch von zu Hause bzw. überall aus.Dateiauswahl

Der „Datei auswählen …“-Button von mebis hat endlich seinen Schrecken verloren.

Verfasst von: G. Piezinger | 4. Oktober 2015

Mit BookWidgets ins neue Jahr

Knapp drei Wochen ist das neue Schuljahr schon wieder alt und die Arbeit in der Tabletklasse hat sich langsam eingespielt. Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten überwiegend technischer Art (Miracast zickte, Mebis hat so seine Ecken und Kanten) haben wir Lehrer vom ersten Tag an auf unseren Fachunterricht gesetzt, der wie bislang auch schon absolute Priorität über die Technik hat.
Die Gerätezusammensetzung stellte natürlich eine — absehbare — Herausforderung dar. Etwa die Hälfte der Klasse besitzt iPads, der Rest teilt sich in Android- und Windows-Tablets auf. Von vornherein konnten die App-Empfehlungen also gar nicht einheitlich für alle Plattformen sein. Im Fremdsprachenunterricht wesentliche Apps wie Notizblock- und Vokabelkasten-Software haben wir auf allen Plattformen getestet, ließen die Schüler im Endeffekt aber selber entscheiden. Während Metamoji Notes für Android und Windows in jeder Hinsicht mit Notability (iOS) mithalten kann und sich bei allen Schülern als die beste Notizblock-App herauskristallisiert hat, ist das Bild bei den Vokabelkarten uneinheitlicher. Wir haben sogar Schüler, die das althergebrachte papierene Heft bevorzugen, was wir natürlich auch gerne akzeptieren. Schließlich zeugt auch diese Entscheidung von einer bewussten Reflexion des eigenen Lernverhaltens, die in „normalen“ Klassen häufig gar nicht stattfindet.

Neu entdeckt in diesem heterogenen Systemumfeld haben wir die Software BookWidgets. Ursprünglich zur Erstellung von interaktiven Elementen in E-Books gedacht, eignet sie sich inzwischen hervorragend dazu, den Schülern Arbeitsblätter aller Art bereitzustellen. Was BookWidgets dabei besonders auszeichnet, ist die Fülle an Vorlagen, die moderne optische Umsetzung, die detaillierte Auswertung der Schülerleistungen, die Benutzerfreundlichkeit der Bedienung und vor allem die dank HTML-Export völlig unterschiedslose Unterstützung aller Plattformen. Egal ob Windows, Linux, iOS, Android, Mac OS X – die resultierende Webseite sieht immer perfekt aus.


Sieht so aus, als ob sich BookWidgets neben Mebis, Learningapps.org und Etherpads einen festen Platz in unserer digitalen Werkzeugkiste sichern könnte.

Verfasst von: G. Piezinger | 23. März 2015

Blick über den Tellerrand

Nun ist es offiziell: Die Tablet-Klasse kommt wieder! Wir haben in diesem Jahr definitiv genug Anmeldungen, um eine Klasse bilden zu können. Ich selber habe die letzten Wochen der Wartezeit auch dazu genutzt, um mal über den Tellerrand der iPad-Welt zu schauen, die ja häufig – zu Recht oder Unrecht – als abgeschirmt, geschlossen und überteuert gescholtenen wird.
Was empfiehlt man also jetzt Schülern und Eltern, die noch kein Gerät haben? Kaufberatungen zu Tablets gibt es viele, z.B. in der c’t, aber die spezifischen Anforderungen an Schulgeräte finden darin in der Regel kaum Beachtung. Als langjähriger Apple-Nutzer und auf der Basis unserer zweijährigen Erfahrung mit der iPad-Klasse habe ich also den Selbstversuch gewagt und mir ein billiges Windows-Tablet zugelegt (Odys Wintab 10, 179,- Euro). Ich benutze das Gerät jetzt seit etwa vier Wochen fast täglich im Arbeitsalltag und habe alle möglichen Sachen ausprobiert. Trotzdem ist das hier natürlich kein systematischer Vergleichstest, sondern eher eine Sammlung von subjektiven Eindrücken durch die „Lehrerbrille“.
Kann so ein Gerät mit einem – bei vergleichbarer Ausstattung – ziemlich genau doppelt so teuren iPad mithalten?
iPad vs Wintab
Zunächst mal ein paar Dinge, die mir bei dem Windows-Tablet sehr gut gefallen haben:
  • Die Systemoberfläche mit ihren Kacheln finde ich funktional und ästhetisch äußerst gelungen. Das Gruppieren der Apps, die „aktiven Kacheln“, die Wischgesten zum Wechseln und Beenden der Programme, das Ablegen von Links, Playlisten und Ordnern im Startmenü, das überraschend praktische Handling von zwei Apps nebeneinander, die wirklich cleveren Zusatz-Menüleisten (Wisch von unten), die für ein sehr aufgeräumtes Erscheinungsbild der Apps sorgen – an all das gewöhnt man sich schnell und dann flutschen die Arbeitsabläufe wie gewohnt.
  • Auf der Bildschirmtastatur sind Cursortasten! Da könnte sich Apple beim iPad mal was abschauen, dieses unsägliche Gefummel mit der Bildschirmlupe nervt.
  • Sämtliche Dateisysteme – die eingebaute SSD, OneDrive, Dropbox – sind sehr übersichtlich ins System integriert und stehen allen Apps zur Verfügung.
  • Man kann beliebige Schriftarten installieren! Das klappt beim iPad nur über Umwege.
  • Ein USB-Anschluss! Allerdings nur wirklich nützlich für Menschen, die noch Sticks benutzen – ich habe meine Arbeitsabläufe inzwischen fast vollständig ins Internet bzw. W-LAN (Synchronisation mit dem Hauptrechner zu Hause) verlagert.
  • Die Akkulaufzeit ist etwa die gleiche, ohne dass ich das jedoch gemessen hätte. Für einen Arbeitstag nach nächtlicher Aufladung reicht’s locker.
Nun ein paar Punkte, die einem als „Wechsler“ ziemlich auf die Nerven gehen können.
  • Liebe Hardware-Hersteller: Ein 16:10 Breitbildformat ist bei einem Tablet Unsinn. Im Querformat stiehlt es einem Platz in der Höhe, wo man ihn am meisten braucht (Inhalte gestalten), und im Hochformat wird alles viel zu eng (Webbrowser, Texte lesen, Bücher).
  • Das billige Display mit seiner geringen Auflösung reagiert oft zögerlich, so dass alleine das Herumschieben von Kacheln auf dem Startbildschirm mitunter zum Geduldsspiel wird. Auch das Schreiben mit einem Stylus geht viel hakeliger als vom iPad gewohnt, was natürlich am kapazitiven Bildschirm liegt – die vergleichbaren Surface Pros mit induktiven bzw. Hybrid-Displays sind da weit im Vorteil, auch gegenüber dem iPad.
  • Das Wintab ist (wegen des Plastikgehäuses?) nicht sehr verwindungssteif, was dazu führt, dass das Touch-Display „Phantomklicks“ erkennt, wenn man es einhändig hält.
  • Windows belegt sehr viel Speicherplatz für das System alleine. Der für den Nutzer tatsächlich verfügbare Speicherplatz ist bei einem 32GB Windows-Tablet mit einem 16GB iPad vergleichbar.
  • Der Desktop-Modus ist für eine Nutzung ohne Maus und Tastatur, wie wir sie in der schulischen Arbeit anstreben, mit den meisten Programmen kaum sinnvoll nutzbar. Auch beim Umschalten auf eine größere Darstellung sind die Bedienelemente viel zu klein und man tippt ständig irgendwo daneben. Bei den MS-Office-Programmen ist ein gewisses Bemühen um Tablet-Konformität erkennbar, für ein sinnvolles und flüssiges Arbeiten reicht es aber nicht. Da ist das (inzwischen kostenlose) Word fürs iPad schon um Jahre weiter.
  • Wenn man nicht auf die fummelige Desktop-Ansicht ausweichen will, sondern tabletgemäß mit Windows arbeiten möchte, dann fällt die Auswahl guter Apps äußerst mau aus. Arbeitsabläufe wie ein Arbeitsblatt (PDF) mit Stift zu beschreiben und abzuspeichern oder zu teilen sind nur mit Klimmzügen möglich.
  • Nicht nur die Auswahl von Apps ist für verwöhnte iPad-Nutzer sehr ernüchternd, auch deren Qualität lässt häufig zu wünschen übrig. Die Wikipedia-App benötigt die Hälfte des Bildschirms alleine für ihr Titelbild, sucht nur in der englischen Wikipedia und bietet gegenüber der Webseite mehr Nach- als Vorteile, andere Apps haben Schaltflächen in Chinesisch, eine Textverarbeitung („Metro Word“) geht nach einem „kumulativen Update“ von Windows gar nicht mehr, das Videoschnittprogramm („Power Director“ als iMovie-Ersatz) stellt beim Export eines weichen Übergangs das Bild auf den Kopf, Google Earth (nur im Desktop-Modus verfügbar) unterstützt kein Multitouch.
  • Der Internet Explorer (der einzige Browser, der als App verfügbar ist!) hat seine Adress- und Favoritenzeile unten (?!) und blockiert regelmäßig im Bearbeiten-Modus von Mebis/Moodle. Außerdem ist der Seitenaufbau nach dem Klick auf die Zurück-Schaltfläche oft wirklich elend langsam.
  • Das Wintab kann tatsächlich nur über das mitgelieferte Ladegerät, nicht allerdings über USB aufgeladen werden. Der Stecker wackelt in der Buchse wie ein Kuhschwanz.
  • Die Anbindung an den WebDAV-Speicherplatz auf dem Schulserver, der in der Tablet-Klasse dann eine Art Cloud-Ersatz darstellen soll, ist mir bisher noch mit keiner App geglückt. Mit dem iPad war das eine Sache von Sekunden.
Mein Fazit im Augenblick: Zum Preis eines Fiat Uno gibt’s keinen 5er BMW. In jeder Produktkategorie des Alltags, von Waschmaschinen zu Lebensmitteln, von Fahrrädern zu Fernreisen, wird es immer Anbieter geben, die ein Produkt billiger verkaufen (siehe Ruskins Gesetz). An irgendeiner Stelle muss dann aber gespart werden. Sicher nicht an den werbewirksamen technischen Eckdaten, an denen sich Käufer beim Vergleich zunächst orientieren – Prozessor und Speicher in diesem Fall. Details wie die gruselig schlechte Kamera, die fast schon unbrauchbar schlechte Schutzhülle (19,- Euro), das praktisch nicht-existente Zubehörangebot – all dies wird einem erst später lästig.
Dass sich Windows 8.1 durchaus als Tabletsystem für die schulische Arbeit eignet, wenn Microsoft den Appstore mal auf Vordermann bringt, steht für mich außer Zweifel. Will man in der Windows-Welt ein vergleichbares Gegenstück zu einem iPad, befindet man sich aber in der gleichen Preisregion. Möglicherweise werden mit dem Erscheinen von Windows 10 im Sommer die Karten ja wieder völlig neu gemischt.
Über Ihre/eure Fragen und Ergänzungen in den Kommentaren würde ich mich freuen!

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