Verfasst von: Gerhard Piezinger | 14. Mai 2021

Stimmt das echt?

Das Internet hat katastrophale Folgen. Vor allem für die Generation, die in einer Zeit aufgewachsen ist, in der jegliche gedruckte Information redaktionell und professionell geprüft wurde, um zumindest den gröbsten Unsinn herauszufiltern. Der unerschütterliche Glaube an das „Steht da schwarz auf weiß“ prägte bis ins zwanzigste Jahrhundert Generationen. 

Und dann kam das Internet, das die Sender-Empfänger-Logik auf den Kopf stellte. Jetzt kann jeder beliebig veröffentlichen, schreiben, auf YouTube stellen, teilen, weiterleiten, um Aufmerksamkeit buhlen, täuschend authentisch wirkende Bücher als PDF veröffentlichen – und nicht zuletzt auch Zeitungsartikel fälschen, um auch noch dem absurdesten Unsinn einen zumindest oberflächlich seriösen Touch zu geben.

Ein bemerkenswertes Projekt macht es sich seit über fünf Jahren zur Aufgabe, für diese Falle der scheinbaren Authentizität zu sensibilisieren. Auf Paul Newsman können alle kostenlos einen beliebigen Text ins Layout eines Online-Zeitungsartikels bringen und auf einem fiktiven Nachrichtenportal als aufrufbaren Artikel bereitstellen. Erst ein genauerer Blick oder ein Klick auf einen Link erklärt, dass es sich bei dem Dienst nur um ein Scherzangebot handelt:

Im schulischen Kontext erlaubt Paul Newsman es, im Sinne der im Lehrplan verankerten Medienbildung zu thematisieren, was die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit von Informationen ausmacht. Wenn sogar ich seriös wirkenden Nonsens ohne nennenswerten Aufwand produzieren kann, sollte ich da nicht sehr vorsichtig mit Informationen aus anderen Quellen umgehen?

Vielleicht noch lehrreicher für die Realität im Jahre 2021 ist die Tatsache, dass der Service vor ein paar Wochen massiv eingeschränkt wurde. Offenbar reichen in den „alternativen“ Telegram- und WhatsApp-Gruppen inzwischen schon gefakte Screenshots, um deren Mitglieder zu täuschen, in ihrer Meinung zu verstärken und Like-und-Share-Wellen auszulösen:

Wie sensibel das Thema ist, das war mir durchaus bewusst, als ich meine 9. Klasse darum bat, ähnliche Quatschartikel zu erstellen. Schließlich reicht es in unseren Zeiten schon, aus journalistischem Interesse an der Reichweitenforschung bewusst künstliche Verschwörungstheorien zu erfinden, und  es werden sich immer Leute finden, die den größten Bullshit für bare Münze nehmen.

Von Paul Newsman wichen wir auf einen anderen Dienst aus, um es trotzdem auszuprobieren:

Wenn Sie auf sozialen Netzwerken demnächst von Schnecken lesen, die langsam und unauffällig unsere Hirne auffressen, weil Sie sich seit Langem fragen, warum die Menschen (außer Sie natürlich!) immer dümmer werden – Sorry, das war einer von uns.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 6. April 2021

Jetzt aber mal raus an die frische Luft

So gut und sinnvoll Lehrbücher in niedrigeren Klassenstufen sind, so empfinde ich sie bei älteren Kindern und Jugendlichen zunehmend als Einengung. Sie schnüren den Unterricht in eine vorgegebene Struktur, die einem selbstgesteuertem, entdeckenden, kreativen Lernen entgegensteht. Bei der inzwischen unüberschaubaren Vielzahl an digitalen Angeboten zur Erkundung der Welt erscheint die Lehrbuchrealität vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern, wie sie sich die Schulbuchverlage entlang der Lehrpläne ausgedacht haben, zunehmend als künstlich zurechtgezimmert.

Einen Weg raus in die Freiheit – verlockend gerade in Pandemiezeiten – bietet Google Earth. Beispielhaft konnte sich eine zum Halbjahr von mir übernommene 8. Klasse Französisch in Ergänzung zum Lehrbuch auf eine virtuelle Tour durch Marseille machen. Wobei sich diese Phase natürlich auch zum Einstieg in ein neues Thema anbietet. Vorgabe war, sich auf Basis der doch immer noch sehr stereotypischen Lektionstexte zu dem Thema zunächst im 3D-Modus einen allgemeinen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Die üblichen Sehenswürdigkeiten standen im Vordergrund, aber ich bat die Klasse auch, einfach mal durch die Straßen zu schlendern und individuelle, möglichst detaillierte Beobachtungen zu beschreiben, die dann mit den anderen geteilt werden sollten. 

Herausgekommen sich tatsächlich sehr individuelle, teilweise auch überraschende Einblicke in die ungeschminkte Realität der Millionenstadt. Natürlich griff die Klasse im Fernunterricht auf verschiedene online verfügbare Hilfsmittel wie Online-Wörterbücher zurück, was ja auch durchaus erwünscht ist: Ich würde es beim Verfassen eines fremdsprachlichen Textes ja auch nicht anders machen.

YouTube, Google Earth, Apples Karten, virtuelle Museen und Kunstgalerien – all diese Dienste bieten nach dem kaum schülermotivierenden Durchkauen des immer mehr als künstlich empfundenen Lehrbuchinhalts ein Fenster nach draußen, das wir unbedingt nutzen sollten.

Verfasst von: Emma Neumann | 15. März 2021

Die 6 besten Zoom Spiele für Online-Stunden und Videokonferenzen

In unserer hochmodernen Zeit spielen wir nicht mehr nur physische, sondern auch Online Spiele. Ich habe mir Online Quiz-Spiele und Plattformen zum Spielen ein wenig näher angesehen und ich möchte euch ein paar davon vorstellen, die mir sehr gut gefallen haben.

Die 6 besten Zoom Spiele für Online-Stunden und Videokonferenzen

1. Mit dem Wortgenerator Pictionary online spielen

Das beliebte Spiel Pictionary kann auch als Onlineversion gespielt werden. Sinn des Spiels ist es, vorgegebene Wörter und Begriffe dadurch zu erklären, dass sie gemalt werden. Pictionary kann mit Teams gespielt werden. Die Spielregeln sind recht einfach und ihr müsst nicht erst ein ganzes Regelwerk durchlesen, um als Neulinge mit dem Spiel zu beginnen. Mit dem Wortgenerator für Pictionary gelingt es, Wörter zu generieren, die erraten werden müssen. Der Pictionary Wort Generator wird benötigt, damit der Gegner nicht allzu komplizierte Begriffe vorgibt. So bleibt das Spiel für alle Teams fair. 💙🥉

2. Mit dem Scharade Wortgenerator online spielen

Ein ebenfalls sehr beliebtes Spiel ist Scharade. Auch in diesem Spiel geht es um das Erraten von Wörtern und Begriffen, Titeln von Liedern oder Namen von Persönlichkeiten. Aber im Gegensatz zu Pictionary wird bei Scharade nichts gezeichnet. Ein Mitglied eines Teams versucht, einen Begriff durch Gesten und Bewegungen zu erklären. Es darf bei Scharade nicht gesprochen werden. Auch für die Onlineversion von Scharade gibt es einen Wortgenerator, der Begriffe im gleichen Schwierigkeitsgrad für alle Teams ermöglicht.

3. Schnitzeljagd online im Wald spielen

Das schöne Spiel Schnitzeljagd kennen wir eigentlich alle. Wir Lehrerinnen und Lehrer spielen es bei Ausflügen und bei Klassenreisen im Freien. Das Internet und diverse Tools erlauben nun eine Schnitzeljagd der ganz besonderen Art. Denn mit Hilfe von GPS und Google Maps entsteht eine Schnitzeljagd der ganz besonderen Art. Alle verbinden sich digital und können das Spiel dann trotzdem draußen in der freien Natur spielen. Der Google Live Standort ermöglicht den Lehrkräften, ihre Schülerinnen und Schüler immer im virtuellen Auge zu haben. Die Zeit der Schnitzeljagd Zettel an den Bäumen ist vorbei. Jetzt wird Schnitzeljagd online im Wald gespielt! 🌼🌳🍄

4. Das klassische Quiz

Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Eltern werden sich sehr über diese Art von Online Quiz freuen. Denn das klassische Quiz ist immer noch ein sehr beliebtes Spiel. Es kann auch von mehreren Generationen gespielt werden. Für Lehrkräfte und für Eltern empfiehlt es sich, vor Beginn des eigentlichen Spiels eine Präsentation zu erstellen. Dann macht das Zoom Spiel viel Freude, weil auch die Optik stimmt. Im Link findet ihr tolle Tipps für Zoom Quiz Spiele, damit ihr diese ganz nach eurem Geschmack variieren könnt!

5. Schlachtschiffe oder Schiffe versenken

So manchen Lehrerkollegen hat das Spiel Schlachtschiffe oder auch Schiffe versenken in den letzten Jahrzehnten schon zur Verzweiflung gebracht. Denn anstatt während der Schulstunde zuzuhören und aufzupassen, spielen ihre Schüler dieses fesselnde Spiel. Generationen haben schon damit verbracht, sich die Pausen und die Schulstunden damit zu verkürzen. Auf einem Blatt Papier werden quadratische Felder nummeriert und die Schiffe eingezeichnet. Der Gegner kann diese Schiffe dann durch Nennung der exakten Position versenken. Wie wäre es also, das Spiel Schlachtschiffe zur Abwechslung mit Erlaubnis des Lehrers oder der Eltern zu spielen? Unter diesem Link findet ihr eine Vorlage zum Ausdrucken und dann kann es online oder offline auch schon losgehen! 🚢🚢

6. Monopoly vertreibt Langeweile

Eines der beliebtesten Spiele der Welt kann Schulkindern die Zeit vertreiben. Gerade in den Zeiten von Covid-19, aber auch am Wochenende oder bei schlechtem Wetter, ist Monopoly immer noch ein Renner. Es ist nicht nur ein sehr vergnügliches, sondern auch ein sehr lehrreiches Spiel. Denn die Spieler müssen mit ihrem Geld haushalten, von dem anfangs alle die gleiche Menge zur Verfügung haben. Sie können damit Straßen und ganze Straßenzüge kaufen. Auch Bahnhöfe sind im Angebot. In den Straßen können sie Häuser oder Hotels bauen. Von Gegenspielern können sie Miete verlangen, wenn diese sich durch Würfeln auf ihren bebauten oder unbebauten Straßen befinden. 🎲🎲

Onlin Spiele fürs Lernen und für die Freizeit

Nicht nur in Zeiten von Covid-19 bereitet das Spielen am Computer sehr viel Freude. Denn mit Online Spielen und Videokonferenzen vertreibt man sich die Zeit und bleibt in Verbindung. Spiele sind fast von Anfang an ein wichtiger Teil unseres Lebens. Kaum ist ein Säugling ein paar Monate alt, beginnt er auch schon, spielerisch die Welt zu erkunden. Das Spiel setzt sich die ganze Kindheit und Jugend über fort und auch mit Onlinespielen kann man wunderbar lernen.

Dieser Beitrag stammt von unserem Grundschul-Partnerblog meintechklass meintechklass.de, mit dem wir gerne zusammenarbeiten.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 6. Februar 2021

190 Länder reichen nicht

Nie war ein konsequentes Umdenken bei der eigenen Unterrichtspraxis wichtiger als im Distanzunterricht. Die simple Abbildung des genau geplanten und gesteuerten Belehrungsunterrichts funktioniert in Videokonferenzen nicht mehr. Nie war es für Schüler leichter, sich einfach auszuklinken: Zuerst Video und Mikrofon, dann ihre Aufmerksamkeit. Wer wollte ihnen das verdenken, mehr als eine Stunde passiver Informationsaufnahme vor einem Bildschirm halten wir Erwachsenen ja auch kaum aus.

In dieser Ausnahmesituation des Kontrollverlusts auf Seiten der Lehrkräfte im Vergleich zur physischen Präsenz wird es geradezu unabdingbar, unsere Schüler zu möglichst selbstständigem Arbeiten anzuleiten. Es ist wohl so ein Lehrerding, sich gerne über ihre – sich vor allem jetzt manifestierende – mangelnde Selbstständigkeit zu beschweren, dabei aber zu ignorieren, dass diese auch gelernt, trainiert, eingefordert und konsequent weiterentwickelt werden muss.

Anders formuliert: Obwohl die Unterrichtsmethode der direkten Instruktion im Präsenzunterricht tatsächlich häufig zu Unrecht kritisiert wird, erreicht sie im Distanzunterricht schnell ihre Grenzen.

Ich habe einen ersten Schritt in Richtung Projektunterricht mal im Alleingang probiert: Meine 9. Klasse Englisch sollte in Zweierteams selbsterfundene Länder detailgenau beschreiben. Als Grundlage der Beiträge wurden Weltregionen gewählt, in denen sich das fiktive Land befinden sollte. Als Präsentationsform haben wir ein Weblog gewählt, die Beiträge sind natürlich anonymisiert und zur Registrierung bei WordPress.com haben wir Müll-Mailadressen benutzt.

Ziel dieses Experiments war der Gedanke, dass sich die Schüler genau über die geografischen, geschichtlichen, wirtschaftlichen, religiösen und kulturellen Hintergründe der Nachbarländer ihrer Phantasiestaaten erkundigen und kreativ ein nicht existierendes Land entwerfen sollten, das es tatsächlich geben könnte.

Angesichts der doch recht anschaulichen kreativen Ergebnisse will ich aber auch nicht verschweigen, dass es über ein Drittel der Schülerteams  trotz genauer Arbeitsanweisungen, Terminabsprachen und meinem Korrekturservice nicht geschafft hat, einen in Inhalt und Form passenden Beitrag zu erstellen. Manchen Beiträgen sieht man auch das alte Gruppenarbeits-Problem an, dass einer was tut und der andere gar nichts. Was für mich sicher kein Vorwurf an die Schüler ist, sondern die Frage nach dem „Warum“ aufwirft: Auch das Arbeiten in Teams ist im Unterricht – auch in meinem – augenscheinlich viel zu lange vernachlässigt worden.

Eine große Hürde stellt im Augenblick auch dar, dass unsere Schüler und wir Lehrkräfte es nach jahrelanger Prägung gewohnt sind, Schulunterricht als Abfolge voneinander völlig unverbundener Fächer wahrzunehmen. Dass Geschichte, Biologie, Geografie, Musik, Wirtschaft und Recht, Physik, Fremdsprachen und andere ja nur die verschiedenen Facetten derselben Welt darstellen und im richtigen Leben ja auch eine Einheit bilden, dieses Bewusstsein muss erst langsam hergestellt werden. Von Seiten aller Beteiligten. Vielleicht war es von meiner Seite deshalb sogar fast unfair, diese Kompetenz zunächst nur von Schülerseite eingefordert zu haben, woher sollen sie das auch können? 

Bei nächsten Mal wird dann alles besser, dann in der Absprache unter den Kollegen, die meine 9. Klasse unterrichten. Vielleicht irgendwann auch mal wieder im Präsenzunterricht. Um das verknüpfte, fächerübergreifende und selbstständige Lernen führt auf Dauer ohnehin kein Weg mehr vorbei.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 29. November 2020

PhET: Interaktive Simulationen für Naturwissenschaften

Wieder mal eine Neuentdeckung aus unserem Kollegium, diesmal aus der MINT-Ecke. Die University of Colorado Denver bietet ihre kleinen interaktiven Simulationen auch in einer App für Tablets an. In den derzeit knapp 100 Modulen kann man nach Belieben modifizieren, messen, kalibrieren, basteln, verändern und die Resultate der eigenen Parametrierung grafisch nachverfolgen und präzise ablesen.

Zur schnellen Eingrenzung der Suche sind die „Simulatiönchen“ nach Fach (Biologie, Chemie, Geografie, Mathematik und Physik) und Schulstufe geordnet.

Auch wenn konkret in Präsenz beobachtbare und analysierbare Versuchsaufbauten auch in einer digitalen Welt hoffentlich weiterhin das Kernstück des naturwissenschaftlichen Unterrichts bleiben werden, bieten interaktive Simulationen über diese realen Versuche hinaus enorme Potenziale: Die beliebige, individuelle Wiederholbarkeit und die Visualisierung ansonsten im Klassenzimmer nicht darstellbarer Szenarien ist gerade der Kern dessen, wie digitale Werkzeuge den Unterricht bereichern können.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 29. Oktober 2020

Dreh- und Angelpunkt Bildschirmfoto

Das Schimpfen der Lehrer auf Schulbuchverlage ist so alt wie der Buchdruck. Beim Übergang in das digitale Zeitalter wurde die Diskussion noch hitziger: Wie soll ein Lehrwerk und dessen Zusatzmaterialen ausschauen? Inwieweit bleibt das Paradigma des Papierzeitalters („Hier steht, was ihr zu lernen habt“) erhalten? Was wird ergänzt, was ersetzt? Wie kann man Bildungsstandards und Binnendifferenzierung unter einen Hut bringen? Braucht es angesichts der OER überhaupt noch Verlage?

Die Frage nach der Kombinierbarkeit von Lehrbuch, Apps, Webdiensten und eigenen Aufzeichnungen begleitet unser Projekt von Anfang an. Die Erwartung von Eltern an unsere iPad-Klassen war immer auch, dass ihre Kinder morgens nun endlich weniger Bücher in die Schule schleppen müssten. Diese hat sich bislang nur teilweise erfüllt: Außer Cornelsen war in der Anfangszeit keiner der Verlage bereit, die Schulbücher zumindest als statisches PDF zur Verfügung zu stellen. Eifrige Schülerinnen und Schüler haben die Buchseiten immer wieder abfotografiert und somit das Buch zu Hause gelassen, aber eine praktikable Dauerlösung war das sicher nicht.

Eine ganz Barriere für die Kombination von Notizblock-App und E-Book war immer auch die beschränkte Bildschirmgröße des iPads. Aus ergonomischen Gründen konnte Heftführung und Schulbuch nicht parallel stattfinden: Entweder Buch aus Papier und handschriftliche Heftführung auf dem Tablet oder andersrum.

Das Problem hat sich inzwischen völlig überraschend in Luft aufgelöst. Die Lehrwerke der aktuellen Generation werden alle auch als E-Books angeboten. Das Platzproblem auf den Bildschirmen der iPads lässt sich somit verblüffend einfach lösen: Die Schüler machen ein Bildschirmfoto der Seite, schneiden es zurecht, kopieren es in die Zwischenablage und fügen es in eine Notizbuch-App ein. Dort kann es beliebig weiterbearbeitet werden.

Aus unserer Perspektive hat der Klett-Verlag für die neue Lehrbuch-Generation eine wirklich vernünftige Lösung für Schüler abgeliefert. Das Schleppen von riesigen Schulranzen, der Anblick von kleinen Sherpas um halb acht in der Früh, all das wird langsam verschwinden. Gut so.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 3. August 2020

Über die Wolken

Zum ersten Mal trat das Phänomen in der Mitte der Zweitausender Jahre auf. Es war die Blütezeit der Weblogs, die in der Breite recht schnell den personalisierten Micro-Blogging-Diensten wichen, auch als soziale Netzwerke bekannt. Auf den Weblogs waren die Tag-Clouds der letzte Schrei: Durcheinander gewürfelte Stichwörter, deren Schriftgröße die Verwendungshäufigkeit auf der Seite widerspiegelten.

Im Laufe der Jahre entstand daraus eine regelrechte Kunstform. Wortwolken lassen sich heute im Internet generieren, bei freier Konfiguration von Schriftarten, Farben und Drehwinkel.

Eine der interessanteren Möglichkeiten für den Einsatz im Unterricht ist sicher, dass man ganze Texte als Vorlage vorgeben kann. Algorithmen bereinigen den Text dann von reinen Funktionswörtern (ein, der, und, im, auf etc.), ändern flektierte Formen auf die Grundform (warf -> werfen, Gästen -> Gast), ermitteln die Häufigkeit der Wörter, die sich dann in der Schriftgröße widerspiegelt. Folgende Beispiele wurden mit wordart.com erstellt.

Wordclouds

Denkbare Szenarien im Überricht wären:

  • Eine selbsterstellte Wordcloud als (alleinige?) Basis für ein Schülerreferat
  • Zur Einführung eines neuen (Lektions-)Textes, um die Schüler über den Inhalt spekulieren lassen
  • Zur Einführung einer neuen Unterrichtseinheit, möglicherweise zum Abschätzen der Vorwissens der Schüler
  • Als Arbeitsgrundlage eines Rechercheauftrags
  • Zur individuellen Illustration einer Unterrichtseinheit (Reduktion auf das Wesentliche)
  • Als kreative Aufgabe zur Illustration beliebiger Inhalte.

Auch dieses Werkzeug ist wieder mal ein Beispiel dafür, dass digitale Medien weit mehr sind als bloß ein „weiteres Werkzeug“. Nein, sie bieten auch neue Darstellungsformen, die auf Dauer auch die gesellschaftliche Kommunikation, die Ästhetik, die Herangehensweisen an Aufgaben und schließlich sicherlich auch den Unterricht selber verändern werden.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 4. Juli 2020

Teams und mebis: Ergänzen statt ersetzen

Mitte März: Die Schulen werden geschlossen. Ohne Vorwarnung. Digitaler Fernunterricht von heute auf morgen. 1,2 Millionen Schüler/innen und 95.000 Kolleg/innen in 55.000 Klassen in 4.500 bayerischen Schulen wurden mit wenigen Ausnahmen ins kalte Wasser geworfen. Kein Wunder, dass unsere offizielle Lernplattform mebis unter dem Ansturm schon am ersten Tag in die Knie ging und mehrere Wochen nur phasenweise und somit kaum sinnvoll nutzbar war.

Das Kultusministerium gab in dieser schwierigen Situation überraschenderweise unverzüglich die Nutzung von Microsoft 365 (damals Office 365) für staatliche Schulen frei. In den Augen vieler Kollegen ein längst überfälliger Schritt, den die meisten anderen europäischen Länder längst vollzogen hatten.

Natürlich standen viele Lehrer/innen, die eine ernsthafte Integration digitaler Medien in den Präsenzunterricht oder unterrichtsbegleitend bisher jahrelang vor sich her geschoben hatten, jetzt erst einmal vor der Wahl, sich in die eine oder die andere Plattform einzuarbeiten.

Die Funktionalitäten von Teams und mebis überschneiden sich tatsächlich in gewissen Punkten, in vielen anderen aber kann keine der beiden die andere wirklich ersetzen, wenn man im digitalen Unterricht eine möglichst große Auswahl an Methoden und Möglichkeiten nutzen will.

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Unschlagbar ist Teams bei der Kommunikation innerhalb von Lerngruppen, die in Videokonferenzen, Einzel- und Gruppenchats in Echtzeit erfolgen kann. Das liegt im Wesentlichen daran, dass Teams eine App und mebis nur eine Webplattform ist. Teams ist in seiner Funktionalität schon sehr nahe an Messengerdiensten wie WhatsApp und somit unseren Schülern völlig geläufig. mebis, das Kommunikation nur über E-Mail abbilden kann, ist da hoffnungslos unterlegen. Die Integration der Videokonferenz-Software BigBlueButton in mebis, über die es bislang nur vage Gerüchte gibt, wäre natürlich ein gewaltiger Schritt nach vorne.

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Ähnlich ist es mit dem Austeilen, Einsammeln, Korrigieren und Zurückschicken von schriftlichen Arbeitsaufträgen. In Kombination mit OneNote-Kursnotizbüchern erreicht Teams eine Effizienz, die meines Wissens von keiner anderen Plattform geboten wird. Es entfällt jedes Dateihandling, jedes „Abgeben“, „Einsammeln“ oder „Austeilen“, es wird einfach nur gearbeitet.

Ein sehr vielversprechender Ansatz findet sich dazu auch auf mebis (Aktivität „Aufgabe“), die ebenfalls den Umgang mit Dateien überflüssig macht und die handschriftliche Korrektur von PDFs erlaubt. Durch die Beschränkung der Bedienung der Weboberfläche im Browser erreicht diese Funktion allerdings bei Weitem nicht die Eleganz der MS365-Lösung.

Gleichstand in Sachen Funktionalität und Nutzerfreundlichkeit erreichen beide Plattformen bei den zur Verfügung stehenden Kalendern, der Einrichtung und Verwaltung getrennter Gruppen und bei der Nutzung von Foren. Wobei die „Foren“ von Teams eher mit WhatsApp-Gruppen vergleichbar sind, also kaum eine komplexere Struktur zulassen. Da hat mebis mit seiner Webforen-typischen Darstellung die Nase vorn. Der größte Vorteil von mebis ist hier sicherlich, dass sich Beiträge bearbeiten/korrigieren und vom Lehrer löschen lassen.

Bei Teams ist überhaupt die Arbeit im Wesentlichen chronologisch strukturiert. Die Aufgliederung in Kanäle zu bestimmten Einzelthemen ist ein kleiner Ansatz zur Ordnung nach thematischen und inhaltlichen Kriterien, erreicht aber bei Weitem nicht das Niveau eines echten LMS (Learning Management System). Für die Ablage von Dateien gibt es nur die Auswahl zwischen einem Anhang im Chat oder in einem etwas angestaubt wirkenden klassischen Dateisystem mit Verzeichnissen und Unterverzeichnissen, was 2020 sehr enttäuschend ist: Keine Zwischenüberschriften zur Strukturierung, keine Informationen zur Datei außer dem Dateinamen, keine Möglichkeit zur mehrmaligen Verknüpfung  an anderen Stellen.

Der größte Vorteil von mebis ist die Integration von interaktiven Elementen. Wikis, Tests, interaktive Übungen mit H5P, Glossare, Abstimmungen – all diese zentralen Möglichkeiten von digitalem Lernen sind auch durch extensive Verlinkungen auf Angebote im Web nicht zu organisieren. Ein Beispiel für das strukturierte Zusammenspiel all dieser Aktivitäten habe ich bereits an anderer Stelle beschrieben.

 

Natürlich hat so eine Gegenüberstellung etwas von Äpfel und Birnen: Teams hat seine Wurzeln in der Koordinierung von Projekten in großen Unternehmen und Organisationen. mebis ist eine Lernplattform, maßgeschneidert für die Begleitung des Präsenzunterrichts. Reinen Fernunterricht können beide notwendigerweise nicht zu 100 Prozent abdecken. Mein Traum wäre eine vollwertige mebis-App, die auch Systemfunktionen wie Handschriftunterstützung, das Teilen zwischen Apps und die Mitteilungsfunktion nutzen kann.

Die Kernanforderungen – (Echtzeit-)Kommunikation einerseits, Struktur und Interaktivität andererseits, das ist in der aktuellen Situation nur in einer Kombination aus beiden zu erreichen.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 3. März 2020

Maskenball in der Fastenzeit

Rollenspiele aller Art sind immer wieder eine Herausforderung: Wie schafft man Situationen, in denen sich unsere Schülerinnen und Schüler mit ihrer Rolle identifizieren können? Woher kommt Motivation, sich in eine Rolle reinzudenken? Wie kann man etwa bekannte Persönlichkeiten imitieren, ohne vorher Schauspielschule und Kostümverleih besucht zu haben?

Apples dreidimensionale Gesichtserkennung hat vor kurzem die Möglichkeiten im Klassenzimmer enorm erweitert. Die App Mug Life nutzt diese und überträgt den Gesichtsausdruck in Echtzeit auf ein beliebiges zweidimensionales Foto, auf dem ein Gesicht erkennbar ist.

In einem ersten Versuch im Englischunterricht sind unsere Schüler in die Rollen verschiedener historischer Persönlichkeiten geschlüpft und haben kurz deren Leben beschrieben:

 

 

Dabei haben wir sicherlich erst einen Bruchteil der Möglichkeiten genutzt. Wie könnte man etwa sinnvolle Situationen arrangieren, in denen Schüler mit dem Gesicht eines Mitschülers/Lehrers/Freundes sprechen? Könnte man in einem gemeinsamen Kontext ein ganzes Video basteln? Könnte man bei einem Vortrag/Referat oder Erklärvideo live in die Rollen relevanter Personen schlüpfen? Inkognito an Videokonferenzen teilnehmen? Was berichtet Napoleon von den Koalitionskriegen, Cheops vom Pyramidenbau, Fibonacci von seiner Zahlenfolge?

Wir stehen da am Anfang von was ganz Großem.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 13. Dezember 2019

Was war da um neun los?

Fremdsprachliche Lehrbücher setzen schon immer auf Bildbeschreibungen und Bildergeschichten. Anstatt der vorgegebenen, meist ja doch eher – na ja – unspannenden Geschichten aus dem Buch drängt es sich in Zeiten digitaler Universalwerkzeuge förmlich auf, dass unsere Schüler nicht nur die sprachliche Umsetzung, sondern auch die Produktion der Vorlagen übernehmen.

Diese Woche stand eine Zeitform an, die Hintergrundhandlungen zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit beschreibt – noch dazu im Passiv (“The streets were being cleaned” – „wurden gerade saubergemacht“).

Nach einem kurzen Überblick über die grammatikalischen Grundlagen schwärmten die Schüler paarweise aus, um zehn Minuten lang fotografisch zu dokumentieren, was sich im Schulhaus um neun Uhr (angeblich) gerade so abspielte.

Progressive

Der Rest der Stunde wurde damit verbracht, die Bilder der Klassenkameraden zu enträtseln und sprachlich richtig zu beschreiben. Dargestellt sind hier:

At nine o’clock, …

  • toilets were being flushed,
  • the fire alarm was being set off,
  • the floor was being cleaned,
  • a boy was being beaten up and
  • rubbish was being thrown away.

Dieses Prinzip lässt sich sicher erweitern, als weitere Zeitstufen bieten sich die Zukunft mit will, das Present/ Past Perfect (was war die Folge?) oder auch Bedingungssätze an. Oder in höheren Klassen gleich eine Bildfolge als in sich geschlossene Handlung? Und warum eigentlich nicht gleich als Video ..?

Jetzt nur noch den vorbeigehenden Kollegen erklären, was das eigentlich sollte.

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