Verfasst von: Gerhard Piezinger | 5. November 2017

H5P – ein neuer Werkzeugkasten für Mebis

Die Lernplattform Mebis ist und bleibt leider die graue Maus beim schulischen Computereinsatz: Sie ist für weniger IT-affine Lehrer ohne Denk- und Übungsaufwand nicht intuitiv erschließbar und für Schüler sperrig in der Handhabung. Einen Mebis-Kursraum wirklich attraktiv zu gestalten erfordert ein HTML-Wissen (CSS), das man unmöglich selbst von engagierten Lehrern erwarten kann. Da Mebis auf dem Open-Source-Projekt Moodle basiert, kann man natürlich keinen Workflow kommerzieller Anbieter à la Office365 erwarten – alleine die Moodle-App für mobile Betriebssysteme ist ein Witz mit Anlauf. Aus Schülerperspektive wird deshalb Mebis wohl immer den muffig-biederen Geruch von „Schulsoftware“ behalten, die im Schatten der kommerziellen Internet-Glitzerwelt von Spotify, Snapchat, Google Docs und Co. steht.

Bei strikter Auslegung aller Datenschutzvorgaben an bayerischen Schulen bleibt Mebis neben dem kaum praktikablen E-Mail dennoch die einzig akzeptable Plattform, um mit Schülern online zu arbeiten. Und auch Mebis entwickelt sich kontinuierlich positiv weiter! Im Sommer wurden z.B. die Funktionalitäten der vollständig auf HTML5 basierenden Lernsoftware H5P nahtlos in Mebis integriert. Die Bereitstellung von Lückentexten, Zuordnungsübungen, Lernkarten, interaktiven Bildern und vielem anderen geht damit wirklich äußerst fix von der Hand. Auch Lehrer ohne tiefere IT-Kenntnisse können mit vertretbarem Zeitaufwand zu sehr ansehnlichen Ergebnissen kommen. Alleine Lückentexte erforderten vorher einen gewaltigen Aufwand, den man sich selbst als geübter Kollege nur ungern ein zweites Mal antat.

70 H5P in mebis

Im Beispiel hier dauert es vielleicht zwei Minuten, um sich einen Text zu suchen, bei Mebis/H5P einzufügen und ein paar Lücken zu definieren. Wobei nebenbei die Wikipedia in einfacher Sprache (simple.wikipedia.org) für Unter- und Mittelstufe immer eine perfekte Quelle ist.

Ein weiterer Schritt ist getan, um sich langsam von altbackenen, unendlich komplizierten und oft noch dateibasierten Moodle-Aktivitäten wie „Test“ oder „Datenbank“ zu lösen. Angestaubte Aktivitäten, die auf heutige Teenager wie Dinos aus den nie selbst erlebten End-90ern wirken müssen.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 1. Oktober 2017

OneNote auf dem Vormarsch

Unser altgedientes Mebis, die Moodle-Instanz des Kultusministeriums, gerät im aktuellen Projektverlauf zunehmend in Bedrängnis. Der neue Star bei vielen der inzwischen 23 Lehrkräften in Tabletklassen (ausgenommen Religion und Sport) ist zweifellos Microsoft OneNote. Natürlich sind wir jetzt am Ende der dritten Unterrichtswoche noch nicht in alle Möglichkeiten dieser Notizverwaltung vorgedrungen, aber unsere ersten Gehversuche sind schon sehr ermutigend.

onenote
Grob vereinfacht gesagt ist OneNote die Summe aus Notability (oder jeder anderen Notizblock-App) und der Lernplattform Mebis. Beide können in ihrem Bereich separat natürlich weit mehr als OneNote, der Gewinn für den Unterricht besteht bei uns allerdings durch die Schnittmenge. Alle Hefteinträge, Schülernotizen, gemachten schriftlichen Übungen oder kreativen Werke unserer Schüler stehen dem Lehrer automatisch zur Einsicht zur Verfügung – wenn sie in den vorgegebenen Ordnern „Schulheft“ bzw. „Hausaufgaben“ abgelegt werden. Die auf Dauer für Lehrer und Schüler doch recht ermüdende Prozedur des dateibasierten Uploads auf Mebis entfällt also komplett. Um eine Notiz (Zettel, PDF, Arbeitsblatt, Übung etc.) herunterzuladen, braucht ein Schüler also nicht mal mehr zunächst den Webbrowser, um die Notiz in seine Schreibapp weiterzuleiten und an der richtigen Stelle zu speichern – sie ist einfach schon an der richtigen Stelle da.

Wobei die genannten „Notizen“ weit mehr sind als schnöder Text – sie können Bilder, Weblinks, Videos, Audioausschnitte, To-Do-Listen, handschriftliche Notizen und im Prinzip alles enthalten, was auf einem Computer darstellbar ist. Und von den Schülern sofort beliebig bearbeitet werden. Egal ob auf iOS, Android, in einem separaten Desktop-Programm oder sogar im Webbrowser. Vorgemacht hat diese geräteunabhängige Arbeitsweise bereits die App Evernote, die es aber nie geschafft hat, den Kerngedanken auf eine schultypische Umgebung (Klassennotizbuch) umzusetzen.

Über die – soll ich jetzt wirklich „microsofttypischen“ sagen? – Ungereimtheiten, Stichwort „Unterstrich am Anfang einfügen, um die alphabetische Sortierung zu überlisten“ will ich mich zunächst gar nicht groß auslassen, schließlich zählt das zweifellos schlüssige Gesamtkonzept.

Wie man den „Platz zur Zusammenarbeit“ für kollaborative Arbeitsweisen nutzen kann, darüber werde ich demnächst hier berichten.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 3. August 2017

Schritt für Schritt zum Tabletlehrer

Schon länger wollte ich mal eine Art Überblick zusammenstellen, was den Unterricht in unseren Tabletklassen ausmacht. Ohne mich dabei in Details zu verlieren und auf alle Fächer einigermaßen übertragbar. Gerade letzteres ist angesichts der völlig unterschiedlichen fachdidaktischen Notwendigkeiten am Gymnasium natürlich die größte Schwierigkeit. Deshalb ist dieses Blatt wahrscheinlich nicht mehr als ein Grundgerüst, an dem sich unsere „neuen“ Kollegen in den Tabletklassen vielleicht mal entlanghangeln und sich eine erste Übersicht verschaffen können – sicherlich besser als nichts … Wie immer wäre ich um weitere Gesichtspunkte in den Kommentaren wie immer sehr dankbar.

SchrittfuerSchritt

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 23. Juli 2017

Antwort an Josef Kraus

Offene Antwort an Josef Kraus

Sehr geehrter Herr Kraus,

sosehr ich Ihre Positionen und Beiträge zur Bildungsdiskussion der letzten dreißig Jahre schätze, haben Sie sich in Ihrem Beitrag im Weserkurier am 20. Juni doch in eine Haltung verrannt, die meiner Meinung nach völlig fern jeder Realität ist. Ich gehe Ihre Aussagen auf der Basis meiner Erfahrungen in unserer Tabletklasse mal Punkt für Punkt durch:

Kraus

  • Sie bezeichnen die Digitalisierung leicht abfällig als „Hype“. Meiner Überzeugung nach ist die Digitalisierung aller Lebensbereiche, die vielleicht gerade an ihrem Anfang steht, weit mehr als das. Es ist ein Leitmedienwechsel, ein Paradigmenwechsel, ein nicht umkehrbarer Umbruch, dessen Auswirkungen sich im Augenblick gerade erst abzeichnen. Gerne wird nicht ohne Grund die Parallele zur Erfindung des Buchdrucks oder der beginnenden Industrialisierung zitiert. Diese Entwicklung einfach als „Hype“ vom Tisch zu wischen ist nicht nur realitätsfremd, sondern für uns Lehrer, die wir Schüler aufs Leben vorbereiten sollen, geradezu fahrlässig und unprofessionell.
  • Sie zeichnen ein Bild der „Medienindustrie“, die in Bildungspolitikern willfährige Befürworter ihrer kommerziellen Interessen gefunden hat. Ebenso könnte man die „Buchindustrie“ zum Buhmann der Verhinderung jeder Weiterentwicklung der Schule abstempeln. Beides sind unsinnige Pauschalisierungen, die weder Lehrern noch Schülern im Tagesgeschäft in irgendwelcher Art weiterhelfen.
  • Ihre (durchaus berechtigte) Skepsis begründen Sie mit einer Grundschulstudie. Aufgabe der Grundschule ist traditionell die Vermittlung der Grundfertigkeiten Lesen-Schreiben-Rechnen. Daraus zu schließen, dass der Einsatz von digitalen Medien in weiterführenden Schulen somit grundsätzlich einzuschränken sei, erscheint mir sehr gewagt.
  • Gerne lade ich Sie in eine Unterrichtsstunde in unserer Tabletklasse ein. Fragen Sie ruhig auch unsere Schüler, ob diese ihren Unterricht als „Edutainment“ (wieder so ein Schlagwort) garniert mit „Info-Häppchen“ empfinden. Wobei es sicher auch interessant wäre zu ergründen, ob diese Häppchen-Vorstellung nicht auch auf den traditionellen Unterricht der letzten Jahrzehnte zutrifft.
  • Sie schreiben, die „zwischenmenschliche Kommunikation“ werden eingeschränkt. Das ist meiner Beobachtung der jungen Generation nach definitiv falsch. Ganz im Gegenteil, es wird durch WhatsApp und Co. heute vielleicht mehr kommuniziert als früher, das Medium ist halt ein anderes. Wenn Sie in der Öffentlichkeit nur scheinbar isolierte Smombies wahrnehmen, kommunizieren diese meist tatsächlich in Gruppen mit ihren räumlich entfernten und fast ausschließlich persönlich bekannten Freunden. Wobei die Hinwendung zu einem schriftlichen Medium anstelle des rein akustischen Telefons uns Lehrern eigentlich gefallen sollte. Könnte. Müsste.
  • Sie schreiben, Aufgabe der Schule sei es, die „Sucht“ nach dem Digitalen einzudämmen. Diese ist allerdings kein neues Phänomen. Ganze Generationen wurden von ihren Lehrern als süchtig bezeichnet: Nach Radio, Comics, Fernsehen und Telefon. Und aus allen ist schließlich was geworden. Konsequenz kann doch nur sein, diese Sucht gewinnbringend zu kanalisieren, also den Schülern aufzuzeigen, wie die digitale Welt quasi unbegrenzte Möglichkeiten des Wissenserwerbs und der persönlichen Weiterentwicklung bietet. Gerne auch in zunächst recht streng umgrenzten Lernräumen, später aber mit zunehmender Eigenständigkeit. Genau darauf zielt in meiner Einschätzung das Konzept der „Medienkompetenz“, und ich sehe keine Alternativen zur gesteuerten und konsequenten Einbindung digitaler Inhalte in den Unterricht.
  • „90 Prozent der Eltern sehen keinerlei Bedarf, ihre Kinder über die Risiken der Mediennutzung aufzuklären.“ Abgesehen davon, dass ich diese Zahl stark anzweifle, ziehen Sie die falsche Schlussfolgerung. Die Konsequenz kann für uns Lehrer nämlich nicht das selbstgefällige Kritisieren und die pauschale Ablehnung dieser Entwicklungen sein, sondern gerade diesen Eltern zur Seite zu stehen und die digitalen Möglichkeiten für das schulische Lernen zu erklären und strukturiert zu nutzen. Wenn man das Digitale aus der Schule verbannt, werden YouTube und Co. zum reinen Freizeitvergnügen abgestempelt, anstatt es konstruktiv für die eigene Arbeit zu nutzen.
  • Was „cool“ und „easy“ ist, darauf hatte die Schule nie einen Einfluss. Das definieren die Jugendlich seit ewigen Zeiten gottseidank schon selber.

Zusammenfassend lese ich aus Ihrem Beitrag nicht nur die in Deutschland leider viel zu häufig dominierende Skepsis gegen jede Art von Veränderung und Weiterentwicklung, sondern auch genau diese Art von Bedenkenträgertum und Kulturpessimismus, die gerade auch uns Lehrer leider häufig auszeichnet. Führen wir uns immer wieder das berühmte Sokrates-Zitat vor Augen:

„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“

… und arbeiten wir gemeinsam daran, wie wir in Zeiten des digitalen Umbruchs unsere Schüler auf dem Weg zu mündigen, selbstdenkenden Individuen begleiten können. Damit wäre schon viel gewonnen.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 8. Juni 2017

Schreiben mit Textkraft

2016 war das Jahr, in dem mobile Geräte mehr Anteil am Datenverkehr hatten als Desktop-Geräte. Mobile Betriebssysteme haben gleichzeitig den klassischen Desktop-Systemen wie Windows oder Mac OS im Alltag längst den Rang abgelaufen. Man muss kein Prophet sein, um vorauszusehen, dass letzteren über kurz oder lang ein Nischendasein wie CDs, Festnetztelefonen oder 35-mm-Film bevorsteht.

Jeder Technologieübergang bringt aber auch neue Ideen hervor, auf die sich einzulassen vor allem erfahrenen Computernutzern häufig schwerfällt.

Eine dieser Ideen ist Textkraft, die sich selbst ganz bescheiden „Schreib-App“ bezeichnet. Es handelt sich nicht um eine klassische Textverarbeitung, weil ihr bis auf Textauszeichnungen praktisch alle Layoutmöglichkeiten, sogar eigene Formatvorlagen oder das Einfügen von Bildern, fehlen. Es geht wirklich nur um das Erfassen von Text – mit der integrierten Bildschirmtastatur, noch besser mit einer externen Tastatur, am besten und schnellsten natürlich per Diktierfunktion. Unterstützt wird das durch eine integrierte Ablage für alle Arten von Textdateien, auf die man beim Schreibprozess schnellen Zugriff bekommt.

Und das Schreiben unterstützt Textkraft wirklich hervorragend, auch wenn z.B. die schnelle Cursorpositionierung und die Wortvorschläge inzwischen in iOS fürs iPad direkt als Systemfunktion übernommen wurden. Dennoch kriegt man ein geniales Synonymenwörterbuch, Grammatikhinweise, Wikipedialinks oder den Schnellzugriff auf häufig genutzte Sonderzeichen so schnell zugänglich bei keinem anderen Textprogramm auf iOS.

Textkraft

Wie ist das jetzt für die schulische Arbeit relevant? Für die Seminararbeit im W-Seminar könnte Textkraft sicher das Werkzeug der Wahl werden, weil es besser als eine klassische Textverarbeitung erlaubt, sich zunächst rein auf die Inhalte zu konzentrieren. In Word & Co. verliert man in diesen Phasen gern den Fokus durch Rumbasteln am Layout. Unverständlich ist mir, warum sich nicht einfache Fotos in der integrierten Ablage vorhalten lassen: Ab in die Bibliothek, relevante Textstellen abfotografieren, in Textkraft zusammenfassen und zitieren, fertig. Warten wir mal die Updates ab.

Eine weitere, bereits vorhandene Funktion könnte im Deutschunterricht helfen: Warum nicht mal einen Deutschaufsatz mit dem Synonymangebot wirklich perfektionieren und sich der Schwächen der Vorversion bewusst werden?

Alles in allem ist Textkraft ein faszinierendes, innovatives Werkzeug, das für manche eifrige Schreiber sicher einen Mehrwert beim Ausarbeiten komplexerer, eigenständiger Texte bietet.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 3. Juni 2017

Selbstständiges Lernen mit Babbel

Im Zuge der Entwicklung der mobilen Digitalgeräte hin zu Universalwerkzeugen (Fotoapparat, Musikplayer, Telefon, Diktiergerät, Lexikon, Landkarte, Fernseher, Stimmgerät, Taschenlampe, Schminkspiegel, Wasserwaage, Kochbuch, … – was Honegger als „digitale Konversion“ bezeichnet) war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Sprachenlernen per App angeboten wird.

Bei Sprach-Selbstlernkursen hat man inzwischen eine breite Palette an Angeboten: Neben Duolingo, Busuu, Memrise, Mondly, Rosetta Stone, uTalk und einigen anderen hat sich vor allem Babbel einen Namen gemacht.

Auch wenn auf den ersten Blick das autonome, lehrerunabhängige Lernen nicht nicht direkt im Fokus unserer Tabletklasse steht, gibt es doch Ansätze, von denen wir in unserem Unterricht profitieren können.

Mit diesem Hintergedanken im Kopf nutze ich seit mehreren Wochen einigermaßen regelmäßig (Zugpendler!) Babbel, um meine rudimentären Russischkenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Auch wenn man Babbel vielleicht sogar als Konkurrenz für traditionelle Sprachenlehrer betrachten könnte, muss ich zugeben, dass die Herangehensweise wirklich ihren Reiz hat.

Babbel

  • Neue Wörter werden am Anfang einer Lektion in kleinen Portionen in Schrift, Bild, Ton und Übersetzung präsentiert. Manchmal kommt auch eine Überprüfung der Aussprache: Man spricht ins Mikro, und erst wenn der Algorithmus mit dem Ergebnis zufrieden ist, kann man weitermachen. Ganz schön streng, unsere App.
  • Zur Wiederholung und Einübung kommen dann kleine Sequenzen zum Einsatz, wie wir sie auch in der Schule benutzen: Zuordnungsübungen der Elemente Wort, Ton und Übersetzung, Auswahlübungen, Wort- und Satzteile in die richtige Reihenfolge bringen und schließlich Diktat, oft unterstützt durch eine begrenzte Auswahl an Buchstaben. Auf alle Aktionen gibt es dabei unmittelbares Feedback, was mir gerade beim Neuerwerb unbedingt notwendig scheint. Sehr gut.
  • Die integrierte Vokabelsammlung passt sich automatisch dem Stand des Lernfortschritts im Anfängerkurs an und erlaubt das Lernen nach dem Vokabelkasten/Phase-6-Prinzip: Was nicht gewusst wurde, wird öfter abgefragt. Sehr gut.
  • Die Grammatikkapitel beschränken sich nicht auf bloße Übersichten, sondern müssen ebenfalls immer wieder interaktiv ergänzt werden – siehe Bildschirmfoto „Was? Wo?“. Ein kleines Detail, das den Nutzer zumindest zum Mitdenken anregt. Ebenfalls sehr gut.

Der Ablauf weicht aber in vieler Hinsicht von einem klassischen Schulbuch ab. Es gibt keine zentralen Lektionstexte oder Lehrbuchfiguren, die einen begleiten, und die Beispiele sind weitgehend kontextfrei. Das mag daran liegen, dass man sich ja nicht wie im Klassenrahmen mit Anderen gemeinsam die Sprache erarbeitet, indem man über die Inhalte kommuniziert. Vielleicht aber auch an der deutlich älteren Zielgruppe, wer weiß.

Und genau in diesem Punkt liegt der große Unterschied zur Situation an der Schule: Die Nutzer der App wollen bewusst eine Sprache lernen, unsere Schüler müssen leider meist dazu gezwungen werden. Regelmäßiges Hören, Wiederholen und Anwenden sind der Schlüssel jeden Spracherwerbs.

Der Aspekt des „sanktionsfreien Lernens“ ist mit Sicherheit auch für unseren Unterricht relevant: Schüler stehen – individuell natürlich unterschiedlich – im Klassenzimmer vor dem Lehrer und den Mitschülern immer unter einem gewissen Druck, Fehler zu vermeiden – man könnte sich ja blamieren. Das häufig noch wenig gefestigte Selbstbild und die so wichtige Rollenfindung in der Gruppe der Gleichaltrigen ist also für das Sprachenlernen ein gewaltiges Hindernis, denn Spracherwerb ist ohne das Zulassen und die Korrektur von Fehlern völlig undenkbar. Erst durch Fehler lernt man überhaupt. Vielleicht bietet der maschinelle Ansatz von Babbel & Co, den wir ohnehin bereits durch andere Bausteine wie learninapps.org oder Bookwidgets verfolgen, einen Ausweg aus der bisherigen, eher frustrierenden schulischen „Fehlerkultur“.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 19. Mai 2017

Blick zurück – und vorwärts

Nicht ohne einen gewissen Stolz gehen wir im September ins inzwischen sechste Jahr unseres hauseigenen Konzepts einer Tabletklasse. Tatsächlich gab es in den vergangenen Monaten eine Art Dammbruch im Kollegium: Viele zunächst eher skeptische (oder vielleicht eher neugierig-abwartende) Kollegen legen sich Tablets und Smartphones zu, wollen vermehrt digitale Inhalte in ihren Unterricht integrieren und haben sich bereiterklärt, ebenfalls in einer Tablet-Klasse zu unterrichten. Ungefähr zwei Dutzend Kollegen aus allen Fächern stehen aktuell zur Verfügung, wobei ihre individuellen Motive natürlich breit gestreut sind – von „Ich will nicht als Dino einer längst vergangenen Epoche enden“ über „aufhalten können wir das eh nicht“ bis hin zu „der Herausforderung stelle ich mich lieber jetzt als irgendwann später unter Zwang“.

Auch auf Schüler- und Elternseite scheint ein Knoten geplatzt zu sein: Satte zwei Drittel der Schüler der aktuellen 7. Klasse wollen in eine Tabletklasse (etwa 80 von 120). Inwiefern der neugestaltete Flyer (siehe Foto), der kontinuierliche Wechsel in der Projektleitung, die positiven Rückmeldungen der Eltern oder das gesellschaftliche Umfeld dafür der Grund sind – wer weiß das schon? Leider können wir angesichts der üblichen Unwägbarkeiten bei der Ausstattung mit Lehrerstellen und Schülerzu- und abgängen erst im Sommer tatsächlich planen, ob wir eine, zwei oder drei Klassen bilden können.

Technisch und infrastrukturell gibt es auch Weiterentwicklungen. Miracast als AirPlay-Ersatz zum drahtlosen Spiegeln von Android-Bildschirminhalten ist dank mehrerer im Google Playstore verfügbarer Airplay-Apps inzwischen überflüssig geworden. Das bedeutet für uns Lehrer weniger Zeitverlust beim Umstellen der Anlage und wir müssen uns nicht mehr merken oder nachfragen, welcher Schüler welchen Gerätetyp benutzt. Weniger Reibungsverluste, mehr Konzentration auf Unterrichtsinhalte.

Zudem steht ein alter, inzwischen fast schon vergessener Mitspieler plötzlich wieder im Rampenlicht: Microsoft versucht wieder verstärkt im Bildungsmarkt Fuß zu fassen und hat mit dem FWU (dem staatlichen Medieninstitut der Bundesländer) einen Rahmenvertrag geschlossen, der es Schulen erlaubt, unter Beachtung des in Bayern sehr strikt ausgelegten Datenschutzrechts ihre Software zu nutzen. So dürfen an bayerischen Schulen niemals personenbezogene Daten auf Servern außerhalb der EU gelagert werden – was Dropbox, iCloud & Co. wegfallen lässt. Für Schule, Lehrer und Schüler ist das außerdem gratis.

Flyer-OneNote.png

Der Coup ist Microsoft unseren ersten Einschätzungen nach tatsächlich hervorragend gelungen: Die Notizenverwaltung OneNote stellt über alle Systemgrenzen hinweg einheitlich eine Infrastruktur bereit, mit der es in mancher Hinsicht mit unserem bewährten Mebis in Konkurrenz treten wird. Im Rahmen eines internen Treffens hat ein Kollege, der sich vertieft mit der Materie beschäftigt hat, die Möglichkeiten demonstriert, und die Reaktion der Kollegen war sehr positiv. (Ergänzung: Seine Tutorials finden sich auch auf YouTube.)

Wie immer gilt bei jeder Softwareentscheidung weiterhin der Grundsatz, dass sich die technischen Detailfragen in jeder Hinsicht dem Unterricht und dem Lernfortschritt unserer Schüler unterordnen müssen.

Damit liegen wir angesichts der Anmeldezahlen offenbar ziemlich richtig.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 26. Januar 2017

Quizlet Live

Nachdem wir im November ja schon einen Schülerbeitrag zu Quizlet hatten, starteten wir mit einer neuartigen Erweiterung ins neue Jahr: Quizlet Live. Und soviel sei vorweggenommen, es macht unseren Schülern wahnsinnig viel Spaß.

Quizlet Live teilt dabei eine beliebig große Gruppe (mindestens sechs Mitspieler) in Teams ein. Jede Gruppe bekommt dann der Reihe nach Wörter angezeigt. Hat ein Schüler die fremdsprachliche Entsprechung in seinem Fundus, muss er dies bestätigen, und es erscheint das nächste Wort. Der Spielstand der Gruppen, also die Anzahl der korrekt zugeordneten Wörter, wird auf dem Lehrergerät über Beamer in Form von beschrifteten Balken live angezeigt.

Besonders spannungs-, aber auch lautstärkefördernd ist, dass ein Team beim kleinsten Fehler wieder von vorn anfangen muss. Der gruppenbasierte Ehrgeiz, das Spiel zu gewinnen, wird von Quizlet Live wirklich vollumfänglich in das Vokabellernen kanalisiert.

Als besonderen Service gibt es nach jeder Spielrunde eine kleine Auswertung, welche Wörter am häufigsten falsch gemacht wurden – und sogar, mit welchen Wörtern diese verwechselt wurde. Natürlich verwarf ich sofort den Gedanken, genau diese Problemwörter  in einer Ex in der Folgestunde abzuprüfen. Obwohl …

quizletlive

Zugegebenermaßen ist in der Fremdsprachendidaktik das Lernen von Vokabeln als stures Pauken von 1:1-Entsprechungen von muttersprachlichen Begriffen zunehmend verpönt. Neuere Lernansätze favorisieren die Sinnerschließung in einem rein fremdsprachlichen Kontext, im Extremfall unter völligem Ausblenden jedes muttersprachlichen Bezugs. Bei der Gratwanderung zwischen diesen beiden Polen bewährt sich in unserer schulischen Praxis eine gesunde Mischung, und für das reine Wiederholen von Wortschatz ist mir augenblicklich keine intensivere Methode bekannt.

Verfasst von: Gerhard Piezinger | 20. November 2016

Scannen im Jahr 2016

Die Vorteile von mobilen Geräten gegenüber Desktoprechnern und Notebooks werden an nur wenigen Beispielen so deutlich wie dem Scannen von Dokumenten und deren Umwandlung in bearbeitbare Texte (OCR). Vor wenigen Jahren noch war dies ein Riesenaufwand: Zunächst musste man das Blatt Papier erst mal im Original zu einem scanfähigen Rechner mitnehmen (und am nächsten Tag dran denken, es wieder zurückzubringen …), dann auf ein Abtastgerät mit Glasplatte legen, ausrichten, Scanvorgang starten, Sprache einstellen, das oft fehlerdurchsetzte Ergebnis als TXT oder RTF speichern, in seiner Textverarbeitung öffnen, und gleich mal die Rechtschreibprüfung drüberlaufen lassen.

Und so geht das im Jahr 2016:

Verfasst von: vincentmarohl | 16. November 2016

Quizlet statt Vokabelheft

Vokabeln zu pauken ist für die meisten Schüler langweilig und schwer, da das Vokabelheft nicht interaktiv ist und der Lernfortschritt  meist nur von der eigenen Kontrolle der Schüler bzw. von der der Eltern abhängt. Der Grund also, warum Vokabellernapps so beliebt sind, ist der, dass diese Apps endlich eine Möglichkeit zur Interaktivität bieten. Eine dieser Apps, und mit Abstand die beliebteste, ist Quizlet.

Quizlet wurde 2005 im Silicon Valley, Kalifornien von Andrew Sutherland gegründet, nachdem er vergebens versucht hatte, sich 111 französische Tiernamen zu merken. Im Januar 2007 wurde es dann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, hat seitdem mehr als 150 Millionen Lernsets aufgenommen und kann mehr als 40 Millionen wöchentliche Nutzer vorweisen. Mittlerweile ist es sogar offiziell unter den 50 meistbesuchten Webseiten der USA.

Das Prinzip ist simpel: – Download des gewünschten Lernsets (entweder per Link vom Lehrer gestellt, mit der in-app-Suchfunktion für Content der online bereits öffentlich zur Verfügung stehenden Sets, oder durch manuelle Eingabe der Vokabeln vom Buch) – Lernen (entweder durch Karteikartenmodus, dem spielerischen Zuordnungsmodus, oder dem extra Lernmodus)  –  Testen.

Was Quizlet zum Marktführer macht sind die vielen Lernsets, die zum Download bereitstehen, die leichte Benutzeroberfläche und am allerwichtigsten die Tatsache dass es kostenlos ist. Andere Vokabelapps sind entweder kostenpflichtig, haben nicht annähernd so viele und hochqualitative Lernsets oder erfordern die manuelle Eingabe von Vokabeln.

Der deutlichste Vorteil gegenüber dem klassischen Vokabelheft ist der, dass man weniger Zeit damit zu verbringen hat, mühselig die einzelnen Vokabeln zu übertragen, und somit mehr Zeit zum eigentlich Lernen hat, wodurch man in der selben Zeit viel effizienter Vokabeln lernen kann. Auch kann man mit der App gleich im Anschluss zum Lernen sein Wissen mittels eingebauter Abfragefunktion auf den Prüfstand stellen, um so zu wissen, wieviel Lernen noch erforderlich ist.

Einziger Nachteil gegenüber dem klassischen Vokabelheft ist der Ablenkungsfaktor.
So ist man während des Lernens am iPad viel wahrscheinlicher dazu verleitet, schnell auf eine Nachricht zu antworten, schnell auf Youtube etwas nachzuschauen etc. Mit dem klassischen Vokabelheft ist die Wahrscheinlichkeit, so abgelenkt zu werden viel geringer (vorausgesetzt das Handy ist auf Stumm geschaltet.)

Fazit: Ich persönlich, sowie die meisten meiner Mitschüler, ziehen Quizlet mit all seinen digitalen Möglichkeiten dem klassischen Vokabelheft vor, was sich auch in meinem Lernerfolg widerspiegelt.

Quizlet.png

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