Verfasst von: Gerhard Piezinger | 6. April 2021

Jetzt aber mal raus an die frische Luft

So gut und sinnvoll Lehrbücher in niedrigeren Klassenstufen sind, so empfinde ich sie bei älteren Kindern und Jugendlichen zunehmend als Einengung. Sie schnüren den Unterricht in eine vorgegebene Struktur, die einem selbstgesteuertem, entdeckenden, kreativen Lernen entgegensteht. Bei der inzwischen unüberschaubaren Vielzahl an digitalen Angeboten zur Erkundung der Welt erscheint die Lehrbuchrealität vor allem in den geisteswissenschaftlichen Fächern, wie sie sich die Schulbuchverlage entlang der Lehrpläne ausgedacht haben, zunehmend als künstlich zurechtgezimmert.

Einen Weg raus in die Freiheit – verlockend gerade in Pandemiezeiten – bietet Google Earth. Beispielhaft konnte sich eine zum Halbjahr von mir übernommene 8. Klasse Französisch in Ergänzung zum Lehrbuch auf eine virtuelle Tour durch Marseille machen. Wobei sich diese Phase natürlich auch zum Einstieg in ein neues Thema anbietet. Vorgabe war, sich auf Basis der doch immer noch sehr stereotypischen Lektionstexte zu dem Thema zunächst im 3D-Modus einen allgemeinen Überblick über die Stadt zu verschaffen. Die üblichen Sehenswürdigkeiten standen im Vordergrund, aber ich bat die Klasse auch, einfach mal durch die Straßen zu schlendern und individuelle, möglichst detaillierte Beobachtungen zu beschreiben, die dann mit den anderen geteilt werden sollten. 

Herausgekommen sich tatsächlich sehr individuelle, teilweise auch überraschende Einblicke in die ungeschminkte Realität der Millionenstadt. Natürlich griff die Klasse im Fernunterricht auf verschiedene online verfügbare Hilfsmittel wie Online-Wörterbücher zurück, was ja auch durchaus erwünscht ist: Ich würde es beim Verfassen eines fremdsprachlichen Textes ja auch nicht anders machen.

YouTube, Google Earth, Apples Karten, virtuelle Museen und Kunstgalerien – all diese Dienste bieten nach dem kaum schülermotivierenden Durchkauen des immer mehr als künstlich empfundenen Lehrbuchinhalts ein Fenster nach draußen, das wir unbedingt nutzen sollten.


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