Verfasst von: Gerhard Piezinger | 5. November 2017

H5P – ein neuer Werkzeugkasten für Mebis

Die Lernplattform Mebis ist und bleibt leider die graue Maus beim schulischen Computereinsatz: Sie ist für weniger IT-affine Lehrer ohne Denk- und Übungsaufwand nicht intuitiv erschließbar und für Schüler sperrig in der Handhabung. Einen Mebis-Kursraum wirklich attraktiv zu gestalten erfordert ein HTML-Wissen (CSS), das man unmöglich selbst von engagierten Lehrern erwarten kann. Da Mebis auf dem Open-Source-Projekt Moodle basiert, kann man natürlich keinen Workflow kommerzieller Anbieter à la Office365 erwarten – alleine die Moodle-App für mobile Betriebssysteme ist ein Witz mit Anlauf. Aus Schülerperspektive wird deshalb Mebis wohl immer den muffig-biederen Geruch von „Schulsoftware“ behalten, die im Schatten der kommerziellen Internet-Glitzerwelt von Spotify, Snapchat, Google Docs und Co. steht.

Bei strikter Auslegung aller Datenschutzvorgaben an bayerischen Schulen bleibt Mebis neben dem kaum praktikablen E-Mail dennoch die einzig akzeptable Plattform, um mit Schülern online zu arbeiten. Und auch Mebis entwickelt sich kontinuierlich positiv weiter! Im Sommer wurden z.B. die Funktionalitäten der vollständig auf HTML5 basierenden Lernsoftware H5P nahtlos in Mebis integriert. Die Bereitstellung von Lückentexten, Zuordnungsübungen, Lernkarten, interaktiven Bildern und vielem anderen geht damit wirklich äußerst fix von der Hand. Auch Lehrer ohne tiefere IT-Kenntnisse können mit vertretbarem Zeitaufwand zu sehr ansehnlichen Ergebnissen kommen. Alleine Lückentexte erforderten vorher einen gewaltigen Aufwand, den man sich selbst als geübter Kollege nur ungern ein zweites Mal antat.

70 H5P in mebis

Im Beispiel hier dauert es vielleicht zwei Minuten, um sich einen Text zu suchen, bei Mebis/H5P einzufügen und ein paar Lücken zu definieren. Wobei nebenbei die Wikipedia in einfacher Sprache (simple.wikipedia.org) für Unter- und Mittelstufe immer eine perfekte Quelle ist.

Ein weiterer Schritt ist getan, um sich langsam von altbackenen, unendlich komplizierten und oft noch dateibasierten Moodle-Aktivitäten wie „Test“ oder „Datenbank“ zu lösen. Angestaubte Aktivitäten, die auf heutige Teenager wie Dinos aus den nie selbst erlebten End-90ern wirken müssen.


Responses

  1. H5P ist eine tolle Ergänzung für Moodle. Aber ich finde, die Prämisse, dass man vor Moodleaktivitäten zurückschreckt, weil sie zu altbacken aussehen pädagogisch zumindest zweifelhaft, denn die Frage, die sich für mich als Lehrer stellt ist doch, ob ein Werkzeug mir hilft, mein didaktische Aufgabenstellung zu unterstützen oder nicht.
    Wenn ich einen Tafelanschrieb mache, so soll er klar strukturiert und leserlich sein – Designaspekte oder „Fluffigkeit“ sind für das Verständnis einer quadratischen Gleichung oder der Erstellung einer Zeichnung eher ablenkend. Warum sollen diese aber bei der Nutzung digitaler Endgeräte prioritär berücksichtigt werden, wenn es laut Lehrplan um das Formelverständnis oder die Ausbildung von Darstellungs- und Abstraktionskompetenz geht?
    Geht es darum, den Schülern eine Selbststeuerung ihrer Lernprozesse zu ermöglichen, so brauche ich Werkzeuge, an denen sie ihren Leistungsstand prüfen können, oder die sie auf einem klar strukturiertem Lernweg führen. Um das zu verstetigen müssen sie personalisiert sein, was sich DSGVO-konform nur mit wenigen Lösungen realisieren lässt – Moodle gehört dazu. Und ja dazu muss mehr Expertise an die Schulen, das können nicht IT-affine Kollegen schwerlich leisten –
    Ja Moodle ist zunächst schwer zu bedienen – aber Moodle ist eben auch sehr mächtig und wird an vielen Universitäten in großem Stil eingesetzt. Man kann in Moodle aber genauso wie in Learningapps für die Kollegen Beispielaufgaben, Beispeiltests, Beispielaktivitäten, usw. vorhalten, die diese dann nur noch modifizieren und für ihre Bedürfnisse anpassen müssen. Nur leider hat man es in der deutschen Schullandschaft versäumt, solche Best-Practice-Kurse auf Austauschpalttformen bereitzuhalten, eine Teil-Kultur in zu institutionalisieren, eine anprechende App entwickeln zu lassen, oder die didaktischen Möglichkeiten von Moodle in der Lehrergrundausbildung wirklich durchgehend zu nutzen. Sondern man hat dieses Mächtige Lehrmanagementsystem den Kollegen vor die Füße geschmissen wie anno dazumal Word oder sonst eine Standalonesoftware und verschwiegen, dass es sich hierbei um ein serverbasierte didaktisches CMS handelt, das man als Schüler/Teilnehmer völlig anders erlebt, wie als Lehrer/Trainer oder gar Verwalter/Admin und das daher auch professionell betreut werden sollte.
    Es stimmt, mal eben schnell was mit Moodle/Mebis machen ist für einen einzelnen Kollegen nicht zu leisten, da sind kollaborativ/kommerzielle Insellösungen wie Padlet, Kahoot, learningapps, usw. viel effektiver – allerdings ist deren didaktischer Einsatzbereich meist auf irgendeine Nische beschränkt und deren grafische Schickheit nutzt sich schnell ab, bzw. verstellt den Blick auf das Wesentliche. Von den Anforderungen DSGVO ganz zu schweigen…

  2. Lieber Jörg Backhaus,

    vielen Dank für den Kommentar. Alles was Sie sagen ist zunächst einmal richtig: Moodle (in Bayern Mebis) ist mächtig, flexibel und datenschutzkonform. Zumindest aus der Perspektive eines computererfahrenen Kollegen, wie Sie vermutlich einer sind. Die Akzeptanz in einem weiteren Kollegenkreis hängt Ihnen zufolge also vor allem von der Vermittlung der Nutzung und der Bereitstellung von Beispielkursen ab.

    Ich (Apple-Fanboy seit fast 20 Jahren) komme da aus einer völlig anderen Ecke: Wenn etwas nicht klappt, liegt es nicht an mir, sondern an der schlechten Software. Das Gerät hat mir zu dienen, nicht umgekehrt. Ich muss mich als Profi (Lehrer) nicht ihm anpassen, sondern das Gerät an mich – sonst fliegt es aus dem Fenster.

    In unserer Schule nutzen bestenfalls zehn Prozent der Kollegen Mebis. Der Anteil hat sich in den letzten zehn Jahren (vorher Bayernmoodle) kaum verändert, soweit ich das überblicke. Wobei ich natürlich keinen Einblick habe, wie viele Kollegen das rein als PDF-Schleuder benutzen und jemals eine „Aktivität“ eingerichtet haben. Trotz Moodlesprechstunden von mir, trotz Beispielkursen aus unserer Arbeit von lernreich 2.0, trotz schulinterner Fortbildungen und einem Mebis-Lehrerzimmer, in dem sämtliche schulrelevanten Informationen (Kalender, Formulare, Stundenpläne etc.) abgelegt sind – die Kollegen also zumindest „gezwungen“ sind, sich dort regelmäßig einzuloggen.

    Die Kernfrage ist also: Warum ist das so?

    Moodle ist im Ansatz aus den frühen 2000ern. Damals hatte man Computerräume, lud „Dateien hoch“, klickte sich mit „Scrollleisten“ durch Webangebote. Kollegen, die damals schon nicht im Internet waren, sondern durch Whatsapp und Facebook digital sozialisiert wurden, tun sich mit dem ganzen Apparat von Schaltflächen hart. (Warum muss ich zuerst auf „Bearbeiten einschalten“ oben rechts klicken, um was zu ändern? Warum muss ich unten auf „Speichern und zum Kurs“ klicken? Bin ich eigentlich nicht schon im „Kurs“? Warum soll ich eine „Beschreibung im Kurs anzeigen“? Was ist eigentlich eine „Abschlussverfolgung“? Wieso ist eine „Ansicht notwendig“?! Ich will den Schülern doch nur die Verbkonjugation im Lateinischen beibringen …)

    Moodle erschlägt Kollegen und Schüler also mit einem Interface, das eine richtige Einarbeitung erfordert. Die Lernkurve ist dabei erheblich steiler als bei WhatsApp, OneNote oder verschiedenen Clouddiensten. Natürlich hätten wir gern, dass mehr Kollegen mitziehen, aber: Sie tun es in der Breite halt nicht. Sie wollen sich nicht einarbeiten.

    Und das sogar unabhängig vom Alter!

    Wir am ChG mit unseren Tabletklassen sind inzwischen an einem Punkt angelangt, wo wir uns schon weit vom Tippen hin zum Pencil entwickelt haben – völlig barrierefreies Schreiben, Zeichnen, Konstruieren (sogar mit dem klassischen Geodreieck auf dem Bildschirm), Illustrieren, Einfügen und Bearbeiten von PDFs, Fotos und Bildschirmfotos. Die Zukunft liegt dank der Tablets in dieser Verschmelzung von analog und digital, von real und virtuell. Genau das ist für Kollegen und Schülereltern ein ganz zentraler Punkt.

    Moodle hat in dieser Hinsicht so gut wie nichts zu bieten.

    Natürlich sind die Datenschutzaspekte für uns als staatliche Institution von zentraler Bedeutung. In dieser Übergangsphase nutzen wir im Augenblick eine gewisse Grauzone, bevor die hinterherhinkenden Regelungen wieder zur Realität aufschließen.

    In all diesen komplexen Fragestellungen zum Abschluss hier noch eine Leseempfehlung, deren Inhalt ich mir in jeder Hinsicht zueigen machen würde:

    https://deutsches-schulportal.de/stimmen/zukunft-der-schule-diktatur-des-datenschutzes/

    Vielen Dank übrigens für Ihren Kommentar – nur der Austausch über den Unterricht der digitalen Gegenwart und Zukunft bringt uns weiter!


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