Verfasst von: Gerhard Piezinger | 13. Juli 2016

Portfolios mit Mahara

Portfolios im Unterricht sind eine eher neue Entwicklung. In Anlehnung an deren Bedeutung im Arbeitsleben wurde in den letzten Jahren immer wieder versucht, ihre Prinzipien in die schulische Arbeit zu integrieren: Es geht darum, seine Arbeits- bzw. Lernfortschritte zu dokumentieren und zu reflektieren. Herauskommen soll also eine präsentationsreife, personalisierte und illustrierte Übersicht der eigenen Arbeit, in unserem Fall im Fach Französisch.

Dass wir in unserer digitalen Arbeitsumgebung nicht mehr mit Drucker, Schere und Kleber loslegen, versteht sich von selbst. Die Kategorie „E-Portfolios“ unterscheidet sich in ihrer Zielsetzung nicht von den klassischen Arbeitsmappen, abgesehen vom Trägermedium und der zur Verfügung stehenden Multimedialität.

Natürlich gibt es genau dafür spezielle Software, in diesem Fall sogar unter Open-Source-Lizenz, was im Zweifel immer ein Pluspunkt ist: Die Weiterentwicklung ist unabhängig vom Überleben der Unternehmen und die Daten sind durch den einsehbaren Quellcode besser vor kommerzieller Ausbeutung geschützt.

Vom größten Schwachpunkt quelloffener Software, der oft weit hinter ihrer kommerziellen Konkurrenz hinterherhinkenden intuitiven Logik der Bedienung, ist zudem bei Mahara nichts zu merken. Nach nur kurzer Hinführung und einem klaren Arbeitsauftrag werkeln unsere Schüler bereits sehr selbstständig vor sich hin.

Die Gestaltungsmöglichkeiten unterscheiden sich ebenfalls grundlegend von einer üblichen Textverarbeitung: Die verschiebbaren Blöcke, die sich in über zwanzig definierbaren Grundlayouts anordnen lassen, enthalten entweder Text, Bilder, Dateien zum Download, PDFs, HTML, Videos, Inhalte sozialer Netzwerke und andere Medien oder sogar das eigene Blog. Das Ergebnis ist eine interaktive Webseite, die sich sowohl lokal speichern wie auch direkt im WWW veröffentlichen lässt.

Der konkrete Arbeitsauftrag war in unserem Falle, die durchaus mess- und spürbaren Lernfortschritte in diesem Schuljahr darzustellen. Natürlich bietet sich zunächst eine chronologische Struktur an, wobei die Eckpunkte die Lektionen im Buch und die Schulaufgaben darstellen. Hinzu kommt unsere Teilnahme am Wettbewerb Francomusiques.

Mahara

Den Gewinn dieser Phase am ansonsten in anderen Klassen vielleicht eher ereignisarmen und filmlastigen Schuljahresende sehe ich vor allem in der Rekapitulation des Jahresstoffs, die den Schülern möglicherweise gewisse Wissenslücken bewusst machen, und in der individuellen, dauerhaften Bereitstellung einer Übersicht des Gelernten und Geübten für die Folgejahre. Im Gegensatz zu den Papier- und Tafelklassen bleibt somit ein Ergebnis bei den Schülern, wenn am Jahresende die Bücher abgegeben werden und die Hefte im Altpapier landen. In vieler Hinsicht hat Mahara damit in unserer heterogenen Systemumgebung die Rolle der Apple-spezifischen iBooks übernommen.


Responses

  1. Vielen Dank für diesen kurzen Bericht! Wie organisieren Sie dies technisch (Software, PC-Raum?, zu Hause?, Scannen, …) und rechtlich (Zustimmung der Eltern, Lizenzrechte, …)? Ich habe auch schon mit Mahara geliebäugelt, schreckte aber letztlich immer vor dem Aufwand zurück, weil mir dieser den Nutzen doch deutlich zu übersteigen scheint. Oder klappt das leichter, als ich befürchte?

  2. Lieber Sass,
    im Zweifel nicht zurückschrecken, sondern durchdenken, dann einfach mal machen, alles genau im Auge behalten und flexibel reagieren – ein Prinzip, das sich wie ein roter Faden durch unsere Tabletklasse zieht …
    Unser PC-Raum ist unser Klassenzimmer, unser Scanner die Kamera im Tablet, Spezialsoftware brauchen wir nicht (wozu auch?), die Eltern haben eh der Gerätenutzung im Unterricht zugestimmt, und lizenzrechtlich wüsste ich nicht, was bei den Schülerarbeiten zu beachten wäre – Stichwort Schöpfungshöhe. Überhaupt veröffentlichen wir im Sinne des Urheberrechts ja nichts. Bis auf diesen Artikel hier, der angesichts des Zitatrechts völlig unproblematisch ist.
    Also, auf geht’s :^)

    • Lieber G. Piezinger,

      vielen Dank für die Antwort.

      Mit dem künftigen Klassenlehrer der kommenden 7a (Gymnasialzweig) habe ich gesprochen und ich will die Fachlehrer in der Vorbereitungswoche zusammennehmen. Mal schauen, welche Lehrer/Fächer beim digitalen Lernen mitmachen wollen …

      Inwiefern haben die Eltern denn der Gerätenutzung im Unterricht zugestimmt? Bei uns dachte ich eher an BYOD, denn die PC-Räume fallen als Klassenräume aus.

      Bzgl. Mahara habe ich vielleicht auch noch zu unklare Vorstellungen. Wäre es möglich, mal ein Beispielportfolio zu sehen?

      Danke und Gruß
      C. Sass

      • Lieber C. Sass,
        unsere organisatorischen Richtlinien für die Eltern finden sie oben unter „Das Projekt“. Beispielportfolios kann ich natürlich nicht hier öffentlich zeigen, Stichwort Datenschutz. Aber das Bild zum Beitrag gibt doch schon einen ganz guten Eindruck, oder?

  3. Wir haben heute mit Mahara gestartet, zum ersten Mal, und ich war erstaunt, wie gern die sonst eher „computermuffeligen“ Schüler drangingen, wie schnell sie ihre Profilinformationen personalisiert hatten. Mahara ist weitgehend selbsterklärend, selbst unser Informatikbeauftrager, der für uns Moodle mit Mahara verbunden hatte, sagte, „das läuft ja wie geschmiert“. Ruckzuck hatten sich die Lernenden auch miteinander vernetzt. Ihr Auftrag wird es jetzt sein, ihre Leistungsnachweise für den 4wöchigen Lernzyklus (SOL) in einem übersichtlichen Portfolio darzustellen und der LP termingerecht freizuschalten. Ich bin gespannt, und meine Kollegen stehen schon in den Startlöchern, sobald wir diese Phase als „Pilotgruppe“ absolviert haben und die Informatik ev. noch Anpassungen vorgenommen haben, werden sie das in ihren Klassen auch einführen…


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