Verfasst von: Gerhard Piezinger | 13. Februar 2014

Stegreifaufgaben mit iPad und Moodle

So lästig sie sind – gelegentliche kurze Exen sind unerlässlich: Sie geben Schülern Rückmeldung über ihren eigenen Leistungsstand und über die Effizienz ihrer Lernstrategie. Dem Lehrer liefert eine Stegreifaufgabe ebenfalls wichtige Informationen: Wo steht die Klasse wirklich? Gehen wir im Unterricht vielleicht zu schnell vor? Erfordern bestimmte Einheiten noch mehr Übung, als es im Unterricht den Eindruck macht? War die Darstellung der Lerninhalte in der Form und der Zeit angemessen?

Nach einem (nicht gewerteten) ersten Gehversuch im November wurde jetzt ernst gemacht: In unserem Moodle-Raum habe ich eine Ex mithilfe des Moduls „Test“ zusammengestellt. Die Idee dahinter ist, dass sich der Lehrer bei der Erstellung schon recht genaue Gedanken macht zu Punktabzügen z.B. bei Rechtschreibfehlern, zu Alternativlösungen und zum Fehlerschritt. Der Schüler bekommt dann unmittelbar nach der Abgabe (die nach einer festgelegten Zeit automatisch erfolgt) sofort seine Fehler angezeigt und seine Note mitgeteilt.
Stegreifaufgabe
Hier ein paar Erkenntnisse aus dem ersten ernsthaften Testlauf:
  • Die automatische Korrektur ist nur bei eindeutig als richtig oder falsch klassifizierbaren Inhalten als Lückentext (bzw. Zuordnung, Multiple Choice, numerische Lösungen oder Wahr-Falsch-Aussage) sinnvoll. Genau das ist bei Stegreifaufgaben in Fremdsprachen (neue Wörter, Grammatik) durchaus sinnvoll, bei Schulaufgaben mit längeren textproduktiven Anteilen sicherlich weniger.
  • Man kann als Lehrer auch im Nachhinein noch alle Aspekte der Bewertung wie Fehlerschritt oder die Bepunktung einzelner Lösungen verändern. Ebenso ist es möglich, individuellen Lösungen auch im Nachhinein noch manuell Punkte zuzuweisen, die im Schema nicht vorgesehen waren.
  • Die Internetverbindung darf zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden, weil einen Moodle dann ausloggt und alle bis dahin ausgefüllten Lücken im digitalen Nirvana verschwinden. Was übrigens auch der Fall ist, wenn unten an der Seite das Seitendesign zwischen Mobilvariante und Standard umgestellt wird.
  • Die Verantwortung, dass die Seite ordnungsgemäß ausgefüllt wird, sollte auf den Schüler übertragen werden – ähnlich wie die Verantwortung bei Papiertests für den Tintenstand im Füller. Wer das Browserfenster schließt, den Flugmodus aktiviert oder in welcher Weise auch immer die Abgabe verhindert, muss mit der schlechten Note zu leben lernen. Wer eine traditionelle Ex in kleine Schnipsel zerriss, musste das auch.
  • Ein Schüler schlug angesichts der technischen Unwägbarkeiten zu Testbeginn vor, unmittelbar vor der Abgabe Bildschirmfotos anzufertigen, das geht bei den iPads mit einem Handgriff. Eine super Idee, das beugt sicher längeren Diskussionen rund um die Verlässlichkeit der Benotung vor. Transparenz geht wie bei traditionellen Leistungserhebungen über alles.
  • Die Möglichkeit, vom Nachbarn abzuschreiben, ist durch die äußerst kleine Darstellung der Lücken bei eingeblendeter Tastatur fast nicht gegeben. Das Umschalten z.B. auf die Vokabel-App ist mit Geschick vielleicht möglich, aber wahrscheinlich nicht praktikabel, wenn die iPads halbwegs flach eingestellt sind und der Lehrer wie schon in alten Zeiten durch die Reihen geht.
  • Von einer Zeitersparnis für den Lehrer sind wir im Augenblick noch ziemlich weit entfernt. Ich habe alle abgegebenen Arbeiten noch einmal einzeln durchgesehen, nach einer gewissen Abwägung noch einmal den Fehlersprung geändert und ein paar Mal Zusatzpunkte verteilt. Aber das sind vermutlich Anfangsschwierigkeiten. Oder?
  • Die technische und organisatorische Infrastruktur hat sich bewährt. Alles andere liegt an uns.

Responses

  1. […] eher unbefriedigenden Aspekten im Schülerleben gehören Stegreifaufgaben, zu denen uns wir bereits hier Gedanken gemacht haben. Die Ex ist und bleibt eine sehr punktuelle Leistungserhebung, und eine gute […]

  2. […] kommen. Alleine Lückentexte erforderten vorher einen gewaltigen Aufwand, den man sich selbst als geübter Kollege nur ungern ein zweites Mal […]


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