Verfasst von: Gerhard Piezinger | 5. April 2013

Über den Tellerrand

Unser Projekt geht voraussichtlich in die nächste Runde: Im nächsten Schuljahr soll wieder eine iPad-Klasse eingerichtet werden. Die Rahmenbedingungen haben sich bewährt, wir werden also im Wesentlichen das gleiche Modell fortführen und weiterentwickeln und hoffen, auch die jetzige 8. Klasse in der 9. weiterführen zu können.
Kurz gingen beteiligten Kollegen Überlegungen durch den Kopf, ob es wirklich nötig und sinnvoll sei, uns auf iPads festzulegen, oder ob es nicht einen Versuch wert wäre, auch Android- oder Windows-Tablets – ganz nach Wunsch der jeweiligen Eltern, die das ja schließlich das Gerät anschaffen werden – freigeben sollten. Zumal Apple mit seinem Geschäftsmodell durchaus auch Ansätze zu Kritik bietet: Sie binden die Nutzer an ihr Ökosystem aus Hard- und Software sowie Medieninhalten, sie entmündigen ihre Kunden dadurch, dass sie Software nur aus ihrem iTunes Store zulassen (den sie also völlig kontrollieren, was manche an Zensur erinnert), zwingen zur Übertragung von vorhandenen Fotos oder Musik zur Nutzung der iTunes-Software und enthalten dem Nutzer einen direkten Zugriff auf das Dateisystem vor. Dazu kommen proprietäre, geschlossene Hard- und Softwarestandards.
Wir haben uns nach einigem Für und Wider dennoch dafür entschieden, auch im neuen Schuljahr ausschließlich iPads (ab der 2. Generation, einschl. iPad mini) einsetzen zu wollen. Hier die Gründe, die letztlich den Ausschlag gaben:

AirPlay.

    Diese Technik ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Unterrichts, die es ermöglicht, den Bildschirminhalt eines beliebigen iPads (Lehrer- oder Schülergerät) auf den Beamer zu spiegeln. Es gibt für Android zwar Möglichkeiten (z.B. Double Twist), ebenfalls Inhalte per AirPlay zu übertragen, allerdings beschränkt sich das auf Fotos und Filme. Die Übertragung des Bildschirminhalts ist nicht möglich, aber gerade das brauchen wir.

Die iTunes-Gutscheine.

    Als einziger Anbieter von Tablets erlaubt es Apple, in seinem App- und Medienstore mit PrePaid-Karten zu zahlen, die es an jeder Tankstelle und in jedem Supermarkt gibt. Bei allen anderen Tablets braucht man dazu eine Kreditkarte. Wir halten es für undenkbar, von den Eltern zu verlangen, ihren Sprösslingen ihre Kreditkartendaten zu überlassen.

Der App Store.

    Dass Apple das iPad-Softwareangebot sehr restriktiv verwaltet, ist für unseren schulischen Einsatzzweck ideal, und dass die angeblich typisch amerikanische Prüderie als Bewertungsmaßstab dabei eine zentrale Rolle spielt, ist ein klarer Pluspunkt gegenüber Googles Play Store. Zudem tritt Apple als einziger Vertragspartner beim Softwarekauf auf, während im Play Store jeder einzelne Anbieter unabhängig seine Software anbietet – und somit auch sämtliche persönlichen Daten und Kreditkartennummer bekommt …

Die Update-Sicherheit.

    Apple stellt neue Systemversionen auch für ältere Geräte (erfahrungsgemäß mind. zwei Jahre nach Erstverkaufsdatum eines neuen iPads) kostenlos zu Verfügung, während es bei Android-Geräten am Gerätehersteller liegt, ob er neuere Android-Versionen auch für seine älteren Tablets veröffentlicht. Was sich diese häufig sparen, schließlich verdienen sie daran kein Geld, während Apple ein großes Interesse daran hat, die bereits verkauften iPads auf dem aktuellen Stand zu halten – schließlich verdienen sie ihr Geld auch durch den Verkauf neuer Software, die neue Systemversionen voraussetzt. (Das Google Nexus ist dabei die erste und einzige Ausnahme, da es das reine, ursprüngliche Android von Google selber benutzt.)

Das Zubehörangebot.

    Taschen, Halter, Ladekabel, Cover, Tastaturen, Eingabestifte, Adapter – die Auswahl an Zubehör ist beim Marktführer iPad natürlich am größten. Schüler lieben es, ihrem iPad dadurch einen individuellen Touch zu verleihen …

Natürlich gibt es bei der Abwägung weitere Aspekte, die für den ein oder anderen möglicherweise kaufentscheidend sind, für uns beim täglichen Einsatz im Klassenzimmer aber nicht das Gewicht der oben genannten Punkte haben. Für handschriftliche Notizen etwa ist Windows wie auch Android den iPads weit voraus – beim iPad hat das Schreiben immer was von Malen mit Wachsmalkreiden. Beim Bildschirm hingegen stellt das iPad dank 4:3-Seitenverhältnis die gesamte Konkurrenz in den Schatten, die mit ihren Breitbildschirmen die Hochkantbenutzung praktisch unmöglich macht.

Wir werden jedenfalls den Markt – wie die letzten drei Jahre auch – weiterhin sehr genau im Auge behalten. Vor allem Windows 8 scheint mir in absehbarer Zeit zu einer wirklichen Alternative heranzureifen, dann hält sicher auch das Surface, was es bislang eher nur verspricht. Und auch von Ubuntu läuft bereits eine vielversprechende Entwicklerversion. Wenn dann irgendwann mal eine systemübergreifende Alternative zu AirPlay/AppleTV verfügbar ist, wenn es für andere Systeme Guthabenkarten gibt und wenn es Android schaffen sollte, ihr Update-Wirrwarr in den Griff zu kriegen, … ja, dann überlegen wir wieder weiter.


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